Neuste Ausgabe

Hochschule Niederrhein meets Bangladesch

Kategorie(n): Urbanes

Dass die Hochschule Niederrhein in Sachen Mode und Textil die Nase ganz weit vorne hat, ist ja allgemein bekannt. Doch wie weit, das veranschaulichen Menschen wie Haldun Yüce. Er ist gerade in Dhaka, Bangladesch. Dort macht er nicht etwa Urlaub, sondern absolviert ein Praktikum.

Normalerweise ist Haldun Student der Hochschule Niederrhein. Seit 2009 im englischsprachigen Studiengang ‚Textile and Clothing Management‘. Dort verbinden Studenten die Bereiche Textil und Bekleidung mit Naturwissenschaften, Handel und Management. Nach sieben Semestern streben sie dann einen Job im Management von international tätigen Textil- und Bekleidungsunternehmen oder auch im Handel an.

In Dhaka …

… hat sich Haldun schon an die dortige Mode angepasst. Während Frauen lockere Stoffhosen, lange T-Shirts bis zu den Knien und einen Schal zum Schutz des Dekolletés tragen, kleiden sich viele Männer in lange Stoffröcke. Genau so einen hat sich Haldun auch gekauft, mit dem Fazit: „viel luftiger bei der Hitze“. Aber auch westliche Kleidung, wie die berühmte Jeans, bunte Saris und viel Schmuck sind im Straßenbild ebenso vertreten, wie ab und an eine Frau in einer Burka.

Jeden Morgen …

… um halb acht wird Haldun von seinem Fahrer abgeholt. Und dann geht es zwei bis drei Stunden durch den abenteuerlichen Verkehr von Dhaka. Auf dem Rückweg muss er manchmal sogar bis zu fünf Stunden dafür einrechnen. „Schon um sieben Uhr morgens hat man das Gefühl, dass ganz Dhaka auf den Beinen ist. Millionen von Menschen sind auf den Straßen“, erzählt Haldun und merkt an, dass er den Lärm und den täglichen Stress schon vermissen wird. Der Unterschied zum Alltag in Mönchengladbach ist schon riesig. Dafür fehlen ihm in Dhaka vor allem das leckere deutsche Schwarzbrot aus der Region – und natürlich sein Studentenalltag und die Arbeit im Fachschaftsrat. Zu Beginn hat ihn das Leben dort schockiert. Situationen mit bettelnden Kindern können schnell überfordern. Auch, dass er als Europäer so sehr auffällt, dass man ihn anstarrt, war gewöhnungsbedürftig. Eine weitere Erfahrung im muslimischen Bangladesch: die Fastenzeit. In Deutschland wird er sich nun demnächst zweimal überlegen „ob ich das ein oder andere Kleidungsstück nicht lieber weglasse und Sinnvolleres mit dem Geld anstelle“.

An seinem Arbeitsplatz …

… angekommen, geht es dann sofort in die Labore und Werkstätten. Dort werden Farbechtheitsprüfungen oder Schrumpfmessungen nach dem Waschen durchgeführt. Oder er begleitet das Bleichen und Färben der Textilien. Auch eine Spinnerei und Weberei gehören zu seiner Firma. Bald dürfen die Praktikanten dann ihre eigenen T-Shirts, Hosen und Röcke herstellen. Angefangen beim Design, über die Herstellung der Schablonen, dem Ausschneiden der Stoffteile bis hin zum
Nähen, alles werden sie selber machen. Zwei Monate bleibt der Student insgesamt.

In Mönchengladbach …

… ermöglicht hat ihm das Abenteuer eine Kooperation der Hochschule mit der Firma ‚One Composite Mills‘. Auf die Idee brachte ihn ein guter Freund, der ebenfalls in Bangladesch war. Jedem textilbegeisterten Studenten kann er also nur empfehlen, sich ebenfalls für das Praktikum zu bewerben. Den Entstehungsprozess eines Kleidungsstückes von Anfang bis Ende zu verfolgen – von der einzelnen Faser bis zum fertigen Produkt – lasse Studenten die theoretischen Inhalte viel besser verstehen. Länder wie Bangladesch haben Haldun schon immer begeistert. Deshalb kann er sich trotz der Armut und Mückenplage vorstellen, später in diesen Ländern zu leben und zu arbeiten, um dann vielleicht mit der dort gewonnen Berufserfahrung zurück nach Deutschland zu kommen.

Teresa Laukötter