Neuste Ausgabe

Plug and play

Kategorie(n): Kolumne, Kultur//Reisen

Jetzt im Februar dürften eigentlich alle Geschenke von Weihnachten aus- und anprobiert, umgetauscht oder aufgegessen sein. In meiner Jugend war der zweite Weihnachtstag meistens ausgefüllt mit Besuchen bei Verwandten, Patentanten oder Freunden, die zum eigentlichen Fest nicht auch noch an den Tisch gepasst hätten. Meist ging es dann am 26. Dezember in neuer Cordhose und kratzigem Pullover („Lass mal schauen – bist Du feeeiiiiin!“) zu stundenlangen Kaffeekränzchen, während zu Hause die neue Carrera Bahn aufgebaut werden wollte oder der Lego Bagger auf seinen ersten Einsatz wartete.

Heute könnte für mich der zweite Feiertag auch umbenannt werden in ‚Tag der Bedienungsanleitung‘. Wenn man gegenwärtig nur einen Standard-Radiowecker kauft, ist das 15-sprachige Handbuch schwerer als der Wecker selber. Fängt man dann auch noch an, selbiges zu lesen, ärgert man sich, nicht ein paar Semester Informatik studiert zu haben. Da lob ich mir doch Bedienungsanleitungen der Firma Apple – die gibt es nämlich erst gar nicht. Je teurer das Gerät, desto weniger Verpackungs-Schnick-Schnack und schwer verständliches Druckzeug. ‚Plug and Play‘ heißt das Zauberwort.

Wer dennoch nicht weiter kommt, sollte zumindest jemanden kennen, der weiß, wie es geht. In Sachen Kommunikations- und Unterhaltungselektronik handelt es sich in diesem Fall um meinen Sohn. Für das Anschließen unseres neuen Fernsehgerätes mit Einstellen der Sender und allem, was dazugehört, hätte ich bis Anfang Sommer gebraucht. Junior schafft das in einer Stunde, ohne das beiliegende Handbuch einmal aufgeschlagen zu haben. So ändern sich die Zeiten …

Aber zum Glück braucht man ja nicht für alles eine Bedienungsanleitung – vor allem nicht für sich selbst. Da sich die wichtigsten Dinge ohnehin im Unterbewusstsein abspielen, ist es eine Frage, sich selbst zu motivieren, um über die trüben Tage hinwegzukommen. Der Winter hat ja im Dezember bei uns nur an einem Tag stattgefunden, dafür aber mit voller Wucht. Bei uns im Garten sah es aus, wie auf einer Postkarte aus dem Allgäu – und mit dem Einsetzen des Regens am nächsten Tag verabschiedete sich mit der weißen Pracht auch die gute Laune.

So verspüre ich persönlich nach diesem Winter enormen Drang nach Frühling, Sonnenlicht und Bewegung an der frischen Luft. Ich lese Radwanderkarten, wälze Urlaubsprospekte und markiere Grillrezepte in Kochbüchern, die ab 20° C Außentemperatur ausprobiert werden.

An Tagen mit geschätzt 40 verschiedenen Graustufen am Himmel kann man nur ausharren und sich in Geduld üben. Auf der Couch liegen, Tee trinken und bei schöner Musik lesen – ist doch auch nicht schlecht?! Im Januar konnten Sonnenhungrige zumindest abends noch ins Dschungelcamp schalten, wo bei 50° C alternde Weltstars in die Sträucher pieselten und sogenannte B-Promis ihre Lebensweisheiten zum Besten gaben. Schön, dass mein neuer Fernseher stattdessen mehrere Kanäle mit Reisereportagen, Naturfilmen und anderen Dokumentationen bereithält.

Die Parole heißt: Durchhalten, nicht aufgeben – der Frühling naht bestimmt. Nutzen Sie die Zeit und bereiten sich mit ein paar Saunagängen und ein wenig Sport vor. Putzen Sie schon mal Ihr Fahrrad, machen den Grill sauber und flicken die Luftmatratze – es gilt einiges zu entdecken. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine angenehme Wartezeit.

Ihr
Gregor Kelzenberg