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Jean Jacques im ‚Vayra‘

Trotz aller Reize, die winterliches Wetter zu bieten hat, bin ich definitiv ein Sommermensch! 25° C aufwärts, dann strahle ich mit der Sonne um die Wette. Der Blick auf den Kalender verrät jedoch, dass ich mich wohl noch ein wenig in Geduld üben muss. Wie schön, dass ich regelmäßig kulinarisch im Sommer schwelgen kann.

Ganz abgesehen davon kann ich mich auch mit der Romantik rund um den Valentinstag und dem jecken Karnevals-
geschehen vom Winterblues ablenken. Auf der Suche nach einer Kombination aller drei Faktoren kam mir spontan ‚Bollywood‘ und seine bunten, leicht kitschigen, aber immer im warmen Indien spielende Filme in den Sinn. Und damit der Hunger auf Curry. Augenblicklich stand fest: Ein indisches Restaurant muss her!

Gefunden habe ich es auf der Düsseldorfer Straße in Rheydt. Schon sein Name ‚Vayra – Indische Spezialitäten‘ und die landestypisch dekorierten Fenster sorgen dafür, dass ich beschwingt und voller Vorfreude durch die Tür des Restaurants trete. Eigentlich hätte ich ja nach Bollywood-Manier tänzeln müssen, doch dann wäre es ein einsames Mahl ohne Begleitung geworden …

Ein gemütlicher Platz direkt an der Heizung ist schnell gefunden, auch wenn das Vayra – das übrigens nach einer alten Gottheit, die in etwa dem griechischen Göttervater Zeus entspricht, benannt wurde – gut besucht ist. Da klar ist, dass die heutigen Speisen sehr currylastig sein werden, bestellen wir direkt die dazu passenden Biere: Namaste für den herberen, Cobra für den Milde schätzenden Gaumen.
Kaum wurde die gemischte Vorspeisenplatte bestellt, steht auch schon ein dampfender Berg frittierter Häppchen auf dem Tisch. Abenteuerliche Entdeckungen? Nein, eher diverse Gemüse, Hühnchen und Garnelen im Teigmantel mit verschiedenen Dips. Ich wusste zwar, dass Curry eine Gewürzmischung und daher im Geschmack sehr variabel ist, wie vielfältig von süßlich bis kernig-scharf seine Nuancen und die damit verbundene Zubereitung sein können, erlebe ich nun. Wie sagt der Engländer? I’m pretty amused. By the way, wussten Sie, dass man dank der hohen Immigrationsdichte auch oberer Gesellschaftsklassen, die sich mit Gastronomie selbstständig gemacht haben, in London und Great Britain die besten indischen Lokale der Welt findet? Da sehen Sie mal!

Während wir auf die Hauptspeisen warten, nutze ich die Zeit, mich umzuschauen. Warme Farben, dunkles Holz und … Elefanten. An der Wand lächelt milde der Elefanten-Gott Gandesha, und im Raum verteilt finden sich Skulpturen jeglicher Größe. Verständlich, schließlich sind die sanften Riesen in Indien heilig und gelten als Inbegriff von Kraft und Weisheit. Und: Denkt man an die chinesischen Winke-Katzen, haben wir es hier doch mit angenehmen und vor allem ruhigen Zeitgenossen zu tun.

Genug philosophiert, auf dem Tisch duften bereits unsere Hauptspeisen. Zum einen Basmati-Reis mit Lamm, Gemüse, Cashews und Rosinen. Was im ersten Moment vielleicht etwas befremdlich klingt, entpuppt sich als unerwartetes Highlight. Diese Kombination aus Süße, Schärfe und Nuss sollte man einmal probiert haben. Zum anderen gibt es Hühnerbrust in einer cremigen Currysauce mit frischen Mangostücken. Was soll ich groß sagen? Mit diesem Klassiker liegt man immer richtig. Gut und ehrlich – ideal für jeden, der sich erst langsam an die fremde Küche herantasten und noch keine Experimente wagen möchte. Übrigens macht meine Begleitung große Augen, als das Batura – ein indisches Brot, das etwas an herzhafte Krapfen erinnert – als Beilage serviert wird. Sieht nicht nur toll aus, schmeckt auch so.

Wärme, die nicht zuletzt auch durch die angenehme Schärfe der Speisen aufkommt, farbenprächtige Exotik und ein bisschen orientalische Romantik – den Winter vor der Türe habe ich komplett vergessen. Wenn auch Sie einmal Bollywood und zurück erleben und dabei richtig genießen möchten, sind Sie im Vayra bestens aufgehoben.

Ihr LeckerSchmecker
Jean Jacques