Neuste Ausgabe

Menschen und Motoren

Kategorie(n): urbano//Themen

Corvette

Nicht zuletzt sind da die Menschen, die durch diese Leidenschaft vereint werden.
Weltweit werden immer mehr Clubs gegründet – unter den Mitgliedern entwickeln sich tiefe Freundschaften.

Auch in Mönchengladbach schließen sich immer mehr Gleichgesinnte zusammen.
Eine der größten Vereinigungen ist der MSC-Wickrath, der Ihnen mit Sicherheit schon durch die Organisation der alljährlichen Wickrather Rallye aufgefallen sein wird. Ein anderer Club, der inzwischen Mitglieder von Aachen bis Düsseldorf in Gladbach vereint, ist die IG Speichenrad – die sich ganz den englischen Oldtimern verschrieben hat. Sie war unter anderem beim letztjährigen Blumenkorso in Rheydt zu bewundern.

Fest steht: es handelt sich hier um einen besonderen Schlag Mensch mit einer eigenen Art der Eitelkeit. Nicht das persönliche Äußere steht im Mittelpunkt, sondern das perfekte Erscheinungsbild ihres vierrädrigen Freundes. Krabbelt man selbst ölverschmiert unter seinem Auto hervor, ist es völlig egal. Die Frisur ist von Wind oder Mütze ruiniert – was soll´s? Aber wehe, es ist ein kleiner Fleck auf dem Lack! Panisch wird dann sofort ein Pflegesortiment aus dem Kofferraum gezaubert, das das aus dem Badezimmer locker ums Doppelte übersteigt.
Die Angst um die glänzende Hülle veranlasste sogar schon mal einen Jaguar-Fahrer aus Mönchengladbach, eine angesehene Rallye abzubrechen. Warum? Es fing an zu regnen.

Die Wahl der jeweiligen Pflege-Produkte kann stundenlange Grundsatzdiskussionen zur Folge haben.
Vor allem das ’swiss oil‘-Lager lässt kaum etwas anderes gelten. Ich wusste gar nicht, welche Teile man am Auto pflegen kann bzw. ‚unbedingt muss‘, bis ich unfreiwillig einer kleinen Schulung unterzogen wurde.
Und doch steht mir regelmäßig aufs Neue der Mund vor Staunen offen, wenn ich langen Männer-Diskussionen über Putzmittel beiwohnen darf.

Wenn schon, denn schon
Nur bei besonderen Oldtimer-Veranstaltungen wird Wert auf das Erscheinungsbild der Insassen gelegt. Mode rückt in den Vordergrund, die nicht den neuesten Trends folgt, sondern auf das Auto abgestimmt ist. Steht zum Beispiel ein schmucker Wagen der 60er Jahre in der Garage, hängt in ihrem Kleiderschrank ein zur Wagenfarbe passender Petticoat. Trifft man Frauen, die in die optischen Fußstapfen Audrey Hepburns treten, stammt deren Fahrzeug sicherlich aus den 50er Jahren. Herren in Tweed-Sackos sind stets alten Engländern zuzuordnen, Rockabillies jeden Alters entsteigen riesigen amerikanischen Straßenkreuzern oder schicken Mustangs der 70er Jahre.

Detailgetreue Accessoires machen die Zeitreise erst perfekt. Picknick-Körbe oder Lederkoffer gehören einfach in die Szene, wie Benzin in den Tank. Aus diesem Grund widmen sich Fahrer und Beifahrer nicht nur zeitaufwendiger Autopflege oder Ersatzteilsuche, sondern auch dem Aufspüren zeitgetreuer Kleinigkeiten.
Mit kindlicher Freude werden Wühltische auf Messen und diverse Internetportale durchstöbert.
Vor allem Freunde englischer Fahrzeuge finden jedoch auch spezielle Geschäfte, deren Sortiment ‚very british‘ ideales Zubehör bereithält.

Bei dem ein oder anderen Mönchengladbacher hat sich die Liebe zu alten Autos und Motorrädern sogar zu einer wahren Sammelleidenschaft entwickelt. Mit Betreten seines Kellers reist man in längst vergangene Zeiten, in denen Flippertische noch mechanisch und Tapeten noch bunt gemustert waren.
Zeiten, in denen heute hoch gehandelte VW T1 Busse als geläufige Lieferwagen
das Straßenbild prägten und Käfer quer über die Gebirge zum Sommerurlaub gehetzt wurden.

Auch wenn die Vergangenheit nicht glorifiziert werden sollte, alte Autos und das gesamte Flair, das sie umgibt lassen ein Stück heile Welt entstehen, die viele Träume Realität werden lässt. Vor allem bieten sie eine wunderbare Gelegenheit, Generationen miteinander zu verbinden.   Laura Schröer

Wussten Sie schon, dass…

… ein Bugatti Type 57S, von dem nur 17 Stück hergestellt wurden, knapp 50 Jahre einfach in einer englischen Garage vergessen wurde? Wert 3 Mio. Euro

… Elektrofahrzeuge schon um 1900 fuhren? In den USA hatten damals sogar 38 % aller gefahrenen Autos Elektroantrieb.

… das erste Automobil schon im Mittelalter konstruiert wurde? Zeichnungen Leonardo da Vincis aus dem Jahr 1495 zeigen ein von einem Federwerk angetriebenes Gefährt.

… in den 50er Jahren manche Autos in England um Geld zu sparen als Bausatz ausgeliefert wurden,
den der Käufer selbst zusammenschrauben musste? Berühmtester Vertreter: Lotus Seven.