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Gasthaus Stappen – nicht ohne meinen Baas

Kategorie(n): Restaurant Test

Jean JacquesHeute erwartet mich in Steinhausen eine der inhabergeführten kulinarischen Topadressen unserer Stadt, die schon in der vierten Generation die Freude an gutem  Essen und gepflegten Getränken in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellt.
Schon der äußere Anblick des Gasthauses in der Dämmerung ist erfreulich und verspricht eine warme gediegene Gastlichkeit, wie wir sie auf dem Land gerne erwarten.

Die Bierstube ist schon gefüllt, und das Restaurant ist bis auf zwei Tische noch nicht belegt. Aber, wie uns die freundliche Dame vom Service mitteilt, leider ausgebucht und das an einem Donnerstagabend. Schade, die Einrichtung ist klassisch modern gehalten und strahlt eine internationale Eleganz aus. Die Tische sind eingedeckt wie an einem Festtag, und es macht Freude, sich das anzusehen. Wir haben aber Glück und bekommen den letzten freien Tisch in der Bierstube.

Welch ein Zufall für mich, nicht nur einen Platz mit meiner Frau zu bekommen, der uns beiden gefällt, sondern, dass es heute auch noch frisches Bier vom Holzfass gibt. Hier bei Stappen wird nur donnerstags frisches Uerige gezapft.
Der Service hat noch Zeit für einen Plausch, während er die Getränkewünsche aufnimmt und uns die Speisenkarte überreicht. Diese offeriert Fisch, Fleisch und Vegetarisches sowie ein großes 5-Gang-Menü, das mir besonders gut gefällt und eine Hommage an bekannte Koch-Größen zu sein scheint.

Nach ausgiebigem Studieren der Speisenkarte entscheiden wir uns für ein Vitello Tonnato vom Kalb mit Basilikumcreme und einem Wildkräutersalat als Vorspeise für meine Frau, und ich bestelle zum Bier einen Salat vom jungen Spinat mit Haselnussvinaigrette und gebackenem Brie de Meaux. Dieser Käse wurde 1815 auf dem Wiener Kongress zum König aller Käse gekürt. Nur zwei Arten Käse haben in Frankreich Ursprungsschutz, dieser gehört dazu.

Die zwei Seiten der Speisenkarte haben es in sich. Tatar vom Sashimi Thunfisch mit Mango, süßen Zwiebeln und Ingwer oder vielleicht mal ein paar frische Austern mit Tomaten-Schalotten­Salsa? Das alles würde mir gut gefallen, wenn ich mit einem weißen Wein gestartet wäre.

Aber es gibt Altbier, und dazu passt eben etwas Deftiges. Als Hauptspeise genehmige ich mir das Schnitzel Wiener Art vom Glehner Freilandschwein. Das berühmte Schwäbisch-Hällische Schwein vom Metzger Udo Erkes aus Glehn verspricht sauberen Genuss, denn die Züchter dieser Schweinesorte haben sich strengen Richtlinien unterworfen, und Masthilfsstoffe sind dabei verboten. Also eine richtig saubere Sau. Ist doch klasse.

Meine Frau hatte sich für die Tranche vom Glattbutt entschieden. Der ist nicht nur glatt, sondern auch ziemlich platt. Seine Augen trägt er auf der linken Körperhälfte. Sein Fleisch ist schön weiß und hat einen feinen Geschmack – ähnlich wie der Steinbutt.

Tranche vom Glattbutt

Tranche vom Glattbutt

Die Vorspeisen kommen nun zügig an den Tisch und – was soll ich schreiben – das Vitello Tonnato ist rosa gebraten, fein dünn aufgeschnitten als Fächer arrangiert. Darauf der Wildkräutersalat, der mit einer würzigen Note für einen fremden Geschmack auf der Zunge sorgt.

Mein Spinatsalat knackig frisch, der Käse goldbeigebraun frittiert, innen sämig flüssig, dazu etwas Brot, ein Schluck Bier und fertig ist die Vorspeise. Vor mir stehen nun zwei hauchdünne knusprig gebratene Schnitzel mit Kartoffelpüree und eine kleine Schüssel mit gemischtem Salat. Alles richtig gemacht denke ich mir, lediglich den Salat hätte ich mir lieber mit einer Sahnesoße gewünscht. Es schmeckt gut und ist reichhaltig vorgelegt. Das Fischgericht meiner Frau ist ungewöhnlich, Tranche vom Glattbutt mit schwarzen bissfesten Linsen, dazu ein Kalbskopfragout, ein wenig Brokkoli und ein kleiner Maiskolben, alles auf den Punkt gegart. Lecker, aber eben sehr speziell von der Zusammenstellung. Hierzu trinkt sie ein kleines Glas Riesling aus der Pfalz vom Weingut Acham-Magin. 0,1 l für 380 Cent.

Als krönenden Abschluss möchten wir uns den Desserteller ‚Gasthaus Stappen‘ mit sechs hausgemachten Köstlichkeiten teilen. Kein Problem, die Chefin nimmt das gerne auf und empfiehlt mir mal was ganz Besonderes, auch aus der Uerige Brauerei, eine Rarität sozusagen. Den Baas – ein Single Malt Whiskey mit bemerkenswerten Aromen von Vanille und Caramel, 36 Monate im Eichenfass gelagert, irgendwie gar nicht wie Whiskey, eher wie ein guter, nein ein sehr guter spanischer Brandy. Jetzt würde ich mir am liebsten noch eine Zigarre anzünden.

Den nächsten Donnerstag habe ich mir schon vorgemerkt, da gibt’s wieder Uerige und Mettbrötchen, vielleicht trifft man sich ja hier…

Bis zum nächsten Mal – Ihr LeckerSchmecker Jean Jacques

Gasthaus Stappen
Steinhausen 39 // Korschenbroich // www.gasthaus-stappen.de