Es gibt triviale Handlungen im Alltagsleben,
die teilweise ohne vorsätzliche Achtsamkeit stattfinden, die sozusagen im Hintergrund ablaufen wie zum Beispiel Autofahren, ohne dabei übers Kuppeln und Schalten nachzudenken.

Doch Vorsicht! Wer heute mit seinem PKW auf das Gelände einer Tankstelle rollt, sollte über ein abgeschlossenes Ingenieurstudium verfügen oder zumindest mehrere Semester Jura studiert haben.
Nicht alles, was neu ist, muss einfacher, besser und somit auch unkomplizierter sein. In dieser Ausgabe möchte ich Ihnen anhand simpler Beispiele die Tücken verschiedener Vorgänge im Alltag vorstellen, über die sich unsere Großeltern keine Gedanken machen mussten.
Fangen wir aus aktuellem Anlass mit dem Tanken an: Wo früher nur drei Säulen standen, eine für SUPER, eine für NORMAL und eine für DIESEL, hatte es der Kunde noch leicht. Es gab nicht viel zu entscheiden, und selbst bei einem Mietwagen stand – auch für die Dümmsten unverkennbar – in der Klappe vor dem Tankstutzen, was dieses Auto am liebsten trinkt.
Einst wurde dann differenziert zwischen verbleitem und unverbleitem Kraftstoff (fünf Säulen), dann kamen V-Power Plus, V-Power Racing, Biodiesel und jetzt auch noch Super E 10 hinzu (theoretisch mittlerweile zehn Säulen). Die Marketing-Aussage des Marktführers ‚Bewegung durch Innovation‘ darf wahrscheinlich dahingehend verstanden werden, dass man wie früher in der Michael Schanze Show ‚1, 2 oder 3‘ vor den Säulen hin und her hüpft nach dem Motto: Ob ihr recht habt oder nicht, sagt euch gleich das Licht.
Wohl dem, der ein Handy dabei hat, um bei der Hotline seines Wagenherstellers die Verträglichkeit für sein Modell zu erforschen. Man sollte wohl den Chef der Tanke fragen, ob es o.k. sei, auf seinem Grundstück 3 – 4 Stunden zu parken, so eine Hotline kann nämlich dauern… (woher kommt eigentlich der Name ‚Hotline‘? Muss wohl mit dem Blutdruck zusammenhängen!)
 

„Ob es jetzt der Fortissio Lungo oder ein Grand Crue de Brasil sein soll, liegt ganz allein in Ihrer Hand.“

 
Damit sind wir aber auch schon beim nächsten Entscheidungsdilemma, der Wahl des rechten Mobilfunkanbieters. In den Ladenlokalen unserer Stadt, in denen früher inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte Dinge des täglichen Bedarfs anboten, stehen heute hochmotivierte, wochenendgeschulte Verkaufsberater diverser Mobilfunkanbieter mit bunt besticktem Hemdkragen ihres Konzerns und buhlen um die Gunst der Kunden. Eins steht fest: sie wollen für uns nur das Beste aus dem Tarifdschungel sondieren und eine maßgeschneiderte Lösung aushecken, bei der man nicht ’nein‘ sagen kann. Dann warten Sie mal, bis die erste Rechnung kommt! Wenn die  Informationslawine über All-Net Premium Exclusive-Mega-Flatrate mit definierter Laufzeit ohne Mindestumsatz, dafür mit 5000 Frei-SMS (je nach Verfügbarkeit) über Sie hinweggefegt ist, sollten Sie sich erst mal in Ruhe einen Kaffee gönnen.
Das freundliche Mädel mit adrett gebundener Schürze und garantiert piercingfreiem Gesicht erwidert Ihre Bestellung eines Kaffees mit der Gegenfrage: „Möchten Sie lieber einen Small Caffè Latte Arabica mit Vanille Flavour und farmfrischer, aufgeschäumter Milch, oder darf ich Ihnen einen Tall Caramel Macchiato Frappé to go mit Sirup nach Wahl zubereiten, Milch und Zucker stehen links?“ Äääh? Hallo – ich wollt doch nur ´n Kaffee.
Einen Kaffee können Sie sich aber auch zu Hause selber zubereiten. Haben Sie sich doch erst neulich durch die Regale im Fachhandel gekämpft und sich für ein schickes Vollautomaten-Padmonster entschieden. Ob es jetzt der Fortissio Lungo oder ein Grand Crue de Brasil sein soll, liegt ganz allein in Ihrer Hand.
Wichtig ist jedenfalls, auf die Energiesparklasse eines solchen Gerätes zu achten, sonst droht Ihnen die Qual der Wahl eines neuen Stromanbieters. Dabei hilft Ihnen natürlich das Internet, um unter ca. 100 Anbietern den für Sie günstigsten herauszufiltern. Internet? Einen Browser hatten Sie doch schon – oder?!
Bei all dem, was Sie sich mittlerweile vom Munde abgespart haben, hat sich indes der Gegenwert einer Kreuzfahrt angespart.
Teilen Sie doch mal ganz unverbindlich dem freundlichen, braun gebrannten Reisekauffräulein  im Holiday-Shop Ihre Wünsche mit, und lehnen Sie sich völlig entspannt zurück, wenn die Fragewelle auf Sie zukommt: „Bevorzugen Sie eine Außenkabine Mitteldeck mit Entertainmentpaket ‚Sunrise‘ oder lieber die Innenkabine mit Wellness-Kombi-Komfort Paket und landestypischen Fruchtsäften zwischen 16 und 20 Uhr?“ Ihr Gregor Kelzenberg