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Papier oder E-Book?

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Eine Frage von vielleicht philosophischer Tragweite. Ich gebe zu, als es die ersten E-Books gab, war ich ein entschiedener Gegner dieser Form von Literatur. Der Untergang des Abendlandes schien nicht fern und die Zukunft von Verlagen und Autoren zunehmend unsicher. Aber als Typ, der Neuerungen eher kritisch gegenübersteht, bin ich diese Haltung von mir gewohnt.

Wie immer kam dann die Gelegenheit, diese Dinge auszuprobieren. Zum Beispiel in Form von Online-Zeitungen. Ich würde zwar meine Papierausgabe am Wochenende nicht missen wollen – eine mit Ei verkleckerte Zeitung hat schon was – aber wochentags ist man morgens über die Online-Portale doch sehr schnell auf dem Laufenden. Mal kurz nach persönlichen Schwerpunkten und dem Neuesten in den Medien gesucht und schon kommt man gut in den Tag.

Schwerer habe ich mich mit Romanen getan. Vielleicht ist es ein ‚Generationen-Ding‘, aber so ein Taschenbuch ist abends oder im Urlaub mein gewohntes Format. Der Wendepunkt kam aber genau da und über Fachliteratur. Als der Urlaub anstand und damit der Kampf um die zur Verfügung stehenden Kilos, machte ich mir die Mühe, möglichst viel elektronisch aufs Notebook zu laden. Und siehe da: keine Kilo-schwere Fachliteratur, nur noch ein Reiseführer in Papierform, ansonsten eine Sammlung an Links oder E-Books. Allerdings nimmt auch der technische Aufwand zu, noch ein Netzteil, das Pad, etc. Und Unterkünfte werden jetzt nach ihrer medialen Ausstattung ausgewählt. Gibt es ein WLAN? Wie viel kostet es?

Es gibt also ein paar handfeste praktische Vorteile auf der elektronischen Seite. Aber auch ein paar Nachteile. Im Handling während eines Ausfluges ist so ein gedruckter Reiseführer einfach robuster und angenehmer im Umgang.

Aber das wirklich Andere ist die Form des Lesens. Elektronisch ‚hüpft‘ man schneller, man schweift ab und folgt den Links. Es ist ja so einfach, zusätzlich einem Begriff per Suche weitere Inhalte folgen zu lassen. Ich muss höllisch darauf aufpassen, mich nicht ablenken zu lassen. In der Konsequenz behalte ich auch weniger im Gedächtnis. Ein Zuviel an Information. Am Ende habe ich viel gelesen und wenig begriffen.

Aber vielleicht suche ich auch nur eine Entschuldigung für meine zunehmende Vergesslichkeit im Alter. Die neuen Medien sind eine große Möglichkeit, Informationen vielfältig abrufen zu können. Sie bergen aber in meinen Augen auch ihre eigenen Nachteile und Gefahren. Ob das E-Book nun eine echte Alternative zum Papier ist, ist schwer zu sagen. Eher ist es ein sowohl als auch.

Achim Schroers