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Ein Händchen für die Kunst

Kategorie(n): Kultur//Reisen

Mit dem Museum Abteiberg nennt Mönchengladbach ein Kunstmuseum von internationalem Rang sein Eigen. Aber mit der Präsentation der Bilder, Skulpturen und Installationen großer Künstler ist es nicht getan. Kunst muss auch gepflegt werden. Darum kümmert sich die Restauratorin Christine Adolphs mit Leidenschaft.

fauen und kunst

 

Hautschuppen, Schweiß und Fett sind Feinde der Kunst. „Der direkte Kontakt mit den Händen kann zu Veränderungen führen, die nicht so einfach zu entfernen sind“, sagt Christine Adolphs. Deshalb liegt auf ihrem Schreibtisch ein großer Stapel weißer Handschuhe. Bei der Arbeit zu essen oder zu trinken ist dabei natürlich ebenfalls verpönt. Eine Tafel Schokolade und die obligatorische Kaffeetasse sucht man deshalb an ihrem Arbeitsplatz im Museum Abteiberg vergebens.

Essen kommt hier nur auf den Tisch, wenn es sich um Kunst handelt. Wie bei den Werken von Dieter Roth, dessen Objekte aus Schokolade, Käse oder Quark einem natürlichen Verfallprozess unterliegen. Vom Künstler gewollt, von Sammlern gefürchtet. „Einmal musste ich ein Stück zerbrochenen Schimmelkäse restaurieren“, erinnert sich die Restauratorin. Der Käse war zwischen zwei Folien eingeschweißt, ein Klebeband hielt das Ganze zusammen. Mit einem Bindemittel hat die 42-Jährige die Käsestücke wieder zusammengebracht.
Natürlich gehört die Arbeit an den Kunstwerken zu ihren Aufgaben. Wer aber ein Künstler-Atelier erwartet, der wird beim Besuch hinter den Kulissen des Museums enttäuscht. „Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit ist die Organisation von Transporten für Ausstellungen“, berichtet Adolphs. Wenn andere Museen ihre Besitztümer an Mönchengladbach verleihen, empfängt sie die Kuriere, begutachtet die Werke bei der Ankunft und hält deren Zustand in einem Protokoll fest.

Aber auch wenn die 42-Jährige mit Skalpell, Pinsel oder Lösungsmittel an die Kunstwerke geht, hat ihre künstlerische Freiheit enge Grenzen. „Wir müssen uns dem Künstler und seinem Werk unterordnen“, sagt sie. Dabei dürfe es keinen Unterschied machen, ob sie die Arbeit großer Namen wie Beuys oder Polke restauriere oder die eines unbekannten Künstlers. „Wir haben gelernt, jeder Arbeit mit dem gleichen Respekt gegenüberzutreten“, sagt Adolphs.

Wer sich mit der Restauratorin unterhält, merkt schnell, dass sie hier ihren Traumjob gefunden hat. Das liegt neben den Kunstwerken und dem Museumsteam auch an der Architektur des Museums Abteiberg. „Der Architekt Hans Hollein hat hier etwas Einzigartiges geschaffen“, findet sie. „Wenn die Räume zwischen zwei Ausstellungen mal zwei oder drei Tage leer sind, haben sie eine ganz eigene Atmosphäre. Es kommen sogar Besucher extra in dieser Zeit, um nur die Räume anzusehen.“

Zu ihrem Traumberuf auf dem Abteiberg ist Christine Adolphs über Umwege gekommen. Nach ihrem Realschulabschluss entschloss sie sich zu einer handwerklichen Lehre. „Aber das war es auf Dauer nicht“, erinnert sie sich. Deshalb holte sie ihr Abitur nach und ging erst mal als Au-pair-Mädchen nach Irland. Zurück in Deutschland immatrikulierte sie sich an der Hochschule Köln zum Architekturstudium und bewarb sich gleichzeitig am Landesmuseum Braunschweig für ein Praktikum. „Als die Zusage aus Braunschweig kam, habe ich mich dafür entschieden“, sagt sie. Und ihr Berufsglück gefunden.

Garnet Manecke

 

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