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Besuch im Konfitüren-Paradies

Kategorie(n): Essen//Trinken

Wer wissen möchte, wie die Konfitüre für 2.000 Gläser gekocht wird, der kann die Maus fragen oder in der Langen Nacht der Industrie hinter die Kulissen der Konfitüren-Fabrik Mühlhäuser schauen. Mit dabei: Die Erkenntnis, dass die süßen Fruchtaufstriche ungeahntes Abenteuer-Potenzial haben.

 

 

Da ist er, der süße Duft von Pfirsich-Maracuja. Das Paradies für Leckermäulchen. Aus dem großen Kessel dampft es, gleichmäßig wird die noch flüssige Konfitüre gerührt. Bei 60 Grad werden die Früchte zusammen mit den anderen Zutaten so lange erhitzt, bis sie die richtige Konsistenz haben. Dann wird der süße Fruchtaufstrich zu den Portionierstraßen gebracht, wo er in Gläser, Portionspackungen oder Eimer abgefüllt wird – je nachdem, ob er später im Einzelhandel verkauft oder in Gastronomie und Backindustrie genutzt wird.

 

Sechs verschiedene Konfitüren können in den Hallen an der Boettgerstraße parallel hergestellt werden. Dabei sind das Pflaumenmus, mit dem die Geschichte des in Mühlhausen/Thüringen beheimateten Unternehmens 1908 begann, und die Erdbeerkonfitüre die beliebtesten Sorten. Aus tiefgefrorenen Früchten werden die Brotaufstriche hergestellt. „In der Langen Nacht der Industrie zeigen wir unseren Besuchern alle Produktionsschritte von der Lagerung der Rohware bis zur Verpackung des fertigen Produkts“, verspricht Geschäftsführer Berthold Cremer.

 

Begleitet vom Sound der rasselnden Gläser, die durch die Abfüllanlage geleitet werden, neigen die Besucher ihre Köpfe über die Kochkessel, in denen Waldfrucht- und Aprikosen-Konfitüre im Vakuum lautlos blubbert. Dabei lernen die Gäste, welch ungeahntes Abenteuerpotenzial der beliebte Frühstücksgenuss hat. Als ‚Magic Dragonblood‘ soll er in der Geschmacksrichtung Granatapfel/Sauerkirsche zukünftig auch für eine durchtanzte Nacht stärken. „Das schmeckt prima, bevor man abends ausgeht“, findet Cremer. Dafür hat Mühlhäuser nicht nur einen englischen Graffiti-Künstler engagiert, der die Gläser gestaltet hat, sondern gleich auch den Tag um eine Stunde verlängert: ’25h Breakfast‘ heißt die neue Leckerei-Kollektion, deren Wahrzeichen Kobra, Tiger, Bulldogge und Schmetterling sind.

 

Während Essen ein sinnliches Vergnügen ist, sind die Produkte von Scheidt & Bachmann weniger emotional, dafür aber funktional. In der Langen Nacht der Industrie liegt das Gladbacher Traditionsunternehmen an der Breite Straße auf der gleichen Tour wie das Konfitüren-Paradies. Wer ein Auto fährt, nutzt die Produkte aus Mönchengladbach beim Tanken und Parken. Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, zahlt mit hoher Wahrscheinlichkeit an Automaten aus dem Hause Scheidt & Bachmann. Züge auf der ganzen Welt werden mit der Signaltechnik aus Mönchengladbach gesteuert und wer zu einem Spiel der Borussia geht, passiert ein S&B-Zugangssystem.

 

Aber wie werden diese Systeme konstruiert? Wie funktionieren sie genau? Wie sieht es in so einem Automaten aus? Und wie war das eigentlich ganz früher, als es noch keine Großtankstellen mit angeschlossenen Supermärkten gab? Der Blick hinter die Kulissen des international operierenden Familienunternehmens offenbart 140 Jahre Industriegeschichte: Von der Tankstelle der 1930er Jahre, an der der Sprit noch per Hand in den Tank gepumpt wurde bis zur Gegenwart, in der das Tanken und Parken bequem via Mobilfunk bezahlt wird. Heute reicht die Produktpalette von automatischen Durchgangssperren für Bahnkunden in Shanghai bis hin zur Schrankenanlage am Parkplatz des Flughafens von Las Vegas.

 

Garnet Manecke

 

www.langenachtderindustrie.de