Neuste Ausgabe

My home is my Stauraum

Kategorie(n): Kolumne

Ein Umzug in eine neue Wohnung bietet nicht nur den entscheidenden und schließlich auch ausschlaggebenden Aspekt des Orts- und Tapetenwechsels. Nein, ein Umzug gewährt außerdem tiefe Einblicke in das Leben der Umziehenden. Und vor allem gewinnt man einen Eindruck hinsichtlich des Freundeskreises im Bezug auf die ‚Umzugshelfer‘. Doch dazu später.

 

Ich selbst hatte auch öfter das Vergnügen, den Hausstand komplett aufzulösen und in ein jeweils größeres, annehmbareres und natürlich schöneres Domizil umzuziehen. So wird erst mal deutlich, was man alles besitzt und eigentlich (fast) nie braucht. Als Beispiel seien hier nur die drei verschiedenen Kaffee-Services oder der Brotbackautomat vom Dachboden genannt. Beim Runter- und Raufschleppen von zehn fast gleich aussehenden, geblümten, gepunkteten, gerasterten und längs-gestreiften Bettwäschegarnituren und dem achten Karton mit Gästehandtüchern habe ich mich jedes Mal aufs Neue gefragt, wieso ich den ganzen Kram nicht schon längst bei Ebay & Co. verhökert habe.

Alles, was man in den letzten drei Jahren nicht gebraucht hat, wird man meines Erachtens auch in den nächsten Jahren voraussichtlich nicht vermissen. Der liebe Gott hat sich bei der Verteilung der Aufbewahrungs-Gene und des Stauraum-Ausnutzungs-Syndroms im Bezug auf Frauen offensichtlich mehr Zeit genommen. Ich als Mann denke da deutlich pragmatischer. Schauen Sie doch mal in Ihre Küchenschränke und zählen die noch nie benutzten Eierbecher, die personalisierten Kaffeetassen oder die mannigfachen Tupperdosen ohne passenden Deckel. Große Ausstellungen all dieses Krempels finden an jedem Wochenende auf ungenutzten Parkplätzen im Stadtgebiet unter dem Tarnnamen ‚Antik- und Trödelmarkt‘ statt. Männer sind ja eher die Jäger, während unsere lieben Frauen mehr zum Sammeln neigen.

Die einzige Ausnahme, zumindest bei mir: die Garage. Niemals würde ich es übers Herz bringen, Schraubenzieher wegzuwerfen (außer die von der Kirmes mit buntem Plastikgriff, die für ein bis zwei Anwendungen in nassem, vorgebohrtem Weichholz taugen).

Doch nun zu den Umzugshelfern: Ich identifiziere verschiedene Charaktere. Der am häufigsten Vertretene ist der ‚Ach schade, ausgerechnet an dem Tag kann ich nicht‘-Typ. Schon früh sagt er die Teilnahme via Facebook ab – käme aber später (!) gerne auf ein Bierchen nach. Von den engagierten, den Anpackern, die ihren eigenen Akkuschrauber und Arbeitshandschuhe mitbringen, gibt es eher wenige.
Der am häufigsten vertretene Typ kommt etwas später und bleibt gerne in der Nähe der Frauen, um für Kleiderkartons, hängende Ware auf Bügeln und Dekoartikel eingeteilt zu werden (ggf. Verdacht auf Leistenbruch). Beim Verladen von schweren Bücherkartons, sperrigen Sideboards und dem Höhepunkt eines jeden Umzugs – der Waschmaschine – steht er etwas abseits und führt fingierte Scheintelefonate. Sobald er aber die Witterung der Mettbrötchen aufgenommen hat, lässt er seine sechste Flasche Pils stehen und ist wieder ganz vorne dabei – quasi auf Poleposition – als hätte er schon drei Güterzüge bepackt.

Ja ja, so sind sie, die lieben Umzugshelfer. Zum Glück gibt´s dann ja noch die Eltern …
Fazit: Weniger ist mehr – vor allem beim Umziehen.

P. S. Wenn Sie mal in eine neue Wohnung wechseln, rufen Sie mich ruhig an. Ich kann bestimmt (nicht). Komme aber gern später auf ein Bierchen nach …

Ihr Gregor Kelzenberg

 

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