Neuste Ausgabe

Unterhaltung auf den zweiten Blick

Der Mensch ist ein kommunikatives Wesen – er möchte sich austauschen über alles, was ihn bewegt und seine Meinung möglichst aktuell und schnell teilen oder zumindest öffentlich kundtun. Eine zweite angeborene Charaktereigenschaft ist die natürliche Neugier. Hintergrund- oder Zusatzinformationen zu allem, was interessiert, sind jederzeit und überall heiß begehrt.

Dass sich soziale Netzwerke also nicht nur in großer Menge, sondern auch in rasender Geschwindigkeit etabliert haben und das mobile Internet zur bedeutenden Informationsquelle entwickelt hat, ist nicht verwunderlich. Dass sich nun auch TV-Sender ein Stück des Potential-Kuchens abschneiden, war doch nur eine Frage der Zeit.

Denn: Wie schaut das heutzutage alltägliche Bild des Feierabendprogramms im Wohnzimmer aus? Über den Bildschirm flimmern Filme, Shows, Serien & Co., müssen sich jedoch die Aufmerksamkeit mit Smartphones, Tablets oder Laptops teilen. Noch eben wird schnell via Facebook die Lieblingssendung gepostet, das aktuelle Programm getwittert oder auf entsprechenden Internetseiten die ein oder andere Info gegoogelt.

Second Screen – so lautet der Name zum Phänomen, TV und moderne Medien gleichzeitig, oftmals sogar ergänzend zueinander, zu nutzen. Also gingen findige Medienprofis hin und entwickelten Möglichkeiten, auf diesen zweigleisigen Zug aufzuspringen. Also kann jetzt via Social Network, in Foren auf Homepages oder  per App nach Lust und Laune diskutiert werden. Welcher Kandidat in welcher Castingshow erhitzt die Gemüter, wo steht der jeweilige Favorit oder welche Meinung vertritt der Zuschauer zu diesem oder jenem Thema? Und auch für diejenigen, die sich nicht an öffentlichen Chats beteiligen möchten, sondern einfach ’nur‘ ein bisschen mehr erfahren möchten, werden viele interessante Daten und Fakten bereitgestellt.

Diese Entwicklung darf man einerseits eigentlich als positiv ansehen, schließlich wirkt sie der reinen Berieselung entgegen. Der Mensch ist wieder gefordert, selber aktiv zu werden. Und wer es geschickt anstellt, kann sogar noch etwas lernen. Andererseits führt sie die Tendenz weiter, mit immer mehr konfrontiert zu werden. Die einen mögen es Multi-Tasking, die anderen Überbelastung nennen – früher widmete man sich noch konzentriert einer speziellen Sache, heute läuft vieles parallel. Ob das nun wirklich der Konzentrationsfähigkeit zuträglich ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Zum Glück kann man ja immer noch den zweiten Bildschirm beiseite legen oder die Technik gar ganz abschalten, um sich dem realen sozialen Leben zu widmen. Live und in Farbe sozusagen.