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Theorie und Praxis – die Mischung macht´s

Kategorie(n): Urbanes, urbano//Themen

Oktober 2013 – Carina Wahlen,  Thomas Springer und Asghar Chand stehen auf der Hindenburgstraße und frieren. Doch trotz Nässe und Kälte werden sie zwei Wochen lang unerbittlich Fragen stellen und Passanten ansprechen. Dass das Wetter dabei nicht die einzige Herausforderung ist, haben sie schnell gemerkt: „Manchmal waren wir wirklich verwundert, einige Passanten haben die Straßenseite gewechselt, sobald sie uns entdeckt hatten“, bemerkt Asghar. „Dabei sind wir ja keine Bittsteller, sondern Studenten, die für ihr Projekt Unterstützung brauchen“, ergänzt Carina. Wiederum andere haben den Dreien ihre ganz privaten Geschichten anvertraut.

Wie geht Marktforschung?

Im Rahmen eines Studienprojektes ihres Marketingkurses untersuchen insgesamt sechs Studierende der Hochschule Niederrhein in Kooperation mit dem Urbano Magazin die Wirkung und den Effekt von Stadtmagazinen auf ihre Leser. Dafür sind die Antworten der Passanten unerlässlich. Schon Wochen zuvor haben sie sich mit der Umfrage auseinandergesetzt. Was möchten wir eigentlich erfahren? Was ist interessant und was ist unwichtig? All dies wurde wieder und wieder von Neuem analysiert und diskutiert.

Zudem muss das Ergebnis aussagekräftig sein – daher ist nicht nur die Fragestellung wichtig, sondern auch die Auswahl der Befragten. Professor Dr. Ingo Bieberstein, der die Gruppe betreut, erklärt: „Wir verfolgen sogenannte Quotenpläne. In unserer Umfrage versuchen wir, ein kleines Abbild von Mönchengladbach zu erhalten. Damit sich später ein repräsentatives Bild ergibt, sollten Merkmale wie Geschlecht, Alter und Nationalität der Teilnehmer dem Verhältnis der Bürger der gesamten Stadt entsprechen.“ Daher kann eine solche Umfrage eben nicht nur unter Studenten stattfinden.

Mit über 100 ausgefüllten Fragebögen …

… sind Carina, Thomas und Asghar dann schließlich zur Hochschule zurückgekehrt. Zusammen mit den Antworten der zweiten Gruppe aus Rheydt haben sie 250 Bögen ausgewertet. Spezielle Computerprogramme unterstützten die Master-Studenten dabei, dennoch mussten sie ihr Wissen aus dem zweiten Semester über Statistik wieder ausgraben. „Studenten lernen anhand dieser praxisorientierten Projekte, dass sie die Inhalte der Grundlagenfächer später immer wieder anwenden können“, kommentiert Ingo Bieberstein.

Das Besondere an diesem Projekt ist dabei aber, dass die Studenten nicht für die Hochschule oder erfundene Kunden arbeiten, sondern dass sie mit einem realen Unternehmen konfrontiert werden und echte Marktforschung betreiben. Anhand der Auswertung können die Studenten dann Maßnahmen und Vorschläge für eine Marketingstrategie entwickeln. „Finden wir beispielsweise heraus, dass der Kunde wenig junge Leser anlockt, so wäre eine geeignete Maßnahme, das Online-Angebot zu verbessern und das Magazin stärker mit der Internetpräsenz zu verknüpfen“, veranschaulicht Thomas.

Praxisorientierte Projekte

Jedes Jahr bietet der Professor diesen Marketingkurs für Master-Studenten an – und jedes Jahr analysieren und bewerten die Studenten die Situation und die Möglichkeiten eines konkreten Kunden. Meist sind dies mittelständische Unternehmen aus der Region, die so günstig eine hochwertige Beratung erhalten. „Der einzige Nachteil ist, dass wir nicht die Ressourcen großer Marktforschungsfirmen haben, sodass wir uns eben auf 250 und nicht 1.000 Fragebögen begrenzen müssen“, ergänzt Ingo Bieberstein. Zudem haben die Studenten auch nur ein Semester Zeit, ihr Projekt durchzuführen. Dennoch, für die nächsten drei Semester haben Unternehmen die Studenten der Hochschule
Niederrhein bereits gebucht.

Teresa Laukötter