Neuste Ausgabe

Wo die Sonne nur eine Nebenrolle

Vom Frühjahr bis zum Herbst gehören Schottland, Irland und Cornwall zu den Geheimtipps für
Urlauber, die ‚andere‘ Ferien-Erlebnisse suchen.

 

Malerische Türme und Zinnen, im Park der herzogliche Falkner mit einer fulminanten Flugshow – und zum Abschied spielt ein fotogen kostümierter Dudelsackpfeifer vor dem Schlosstor seine melancholischen Melodien. Sie ahnen es: Die Rede ist von einer Burg  im schottischen Hochland. Schloss Dunrobin, seit dem 13. Jahrhundert Stammsitz der Grafen und Herzöge von Sutherland, ist das größte noch bewohnte und erhaltene Prachtgebäude der Region. Es liegt etwa 90 Kilometer von einem weiteren berühmten Highlight entfernt – dem mächtigen, einsamen und Ungeheuer-freien Loch Ness.

Wer solche schottischen Attraktionen besichtigt, erlebt rustikale Holzböden und ausgetretene Treppenstufen – die Gebrauchs-Spuren aus vergangenen großen Zeiten. Also eine Realität, die viel mit dem Alltag des Landadels und wenig mit den Prachtkulissen zu tun hat, in denen Film und Fernsehen zumeist die Umgebung der britischen Lords und Ladies abbilden. Heute tragen die Besucher hier mit ihrem Eintritts-Obolus und ihren Einkäufen im herzoglichen Souvenirshop zum Überleben der adligen Familie bei. Vom Frühjahr bis in den Herbst gehört Schottland zu den Geheimtipps der Mitteleuropäer, die im Urlaub das Besondere und die Abwechslung suchen: Im kargen Hochland freut sich das Auge noch über jede einzelne Blüte, über jeden Sonnenstrahl und oft auch über jeden Mitmenschen, der dort aus der stillen Weite auftaucht.

Einsam, malerisch und wild sind auch die irischen ‚Highlands‘. Und gastfreundlich wie die Schotten begegnen auch die Iren jedem, der sie besucht. Ihre ‚grüne Insel‘ ist reich an wildromantischen  Plätzen – so der Giant’s Causeway oder die Cliffs of Moher. Wen es nach Geselligkeit dürstet, der wird aber schon in jedem Dorfpub fündig – bei Guinness, Irish Coffee mit Original Tullamore Dew oder ähnlichen Marken und bei den Klängen irischer Folklore. Und wem das nicht reicht, der findet in der jungen, pulsierenden Metropole Dublin mit Sicherheit das bunte Leben, das er sucht. Nur rund anderthalb Flugstunden von Düsseldorf wartet diese rundum andere Urlaubswelt auf Wanderer, Biker, Motorradfreaks oder Autotouristen.

Wie auch bei den britischen Nachbarn, so lockt in Irland fast überall ein malerisches Bed & Breakfast mit familiärer Freundlichkeit zur Übernachtung. Natürlich gibt es ebenfalls Schlossromantik, gastliche Herrenhäuser und Fünf-Sterne-Luxusherbergen.

Richtig üppig wird es, wenn es die Reisenden nach den Sahneteilchen aus dem Fernsehen  gelüstet. Reisen in die ‚Welt der Rosamunde Pilcher‘ haben in den vergangenen Jahren ständig mehr Neugierige an Englands Südwestküste gelockt. Dort gibt es wirklich die TV-gewohnten malerischen Steilküsten, die weiten und menschenleeren Sandstrände, die üppigen Blütenmeere in den Parks der Herrenhäuser und Schlösser, die oberhalb der Klippen von vergangenem kolonialherrlichem Reichtum zeugen. Die Herzschmerz-Autorin Pilcher und die Kameraleute ihrer Romanfilme übertreiben nicht: Wenn die Sonne über Cornwall scheint, sieht es genauso aus wie Sonntagabend im Wohnzimmerkino.

Das übrigens gilt auch für das benachbarte Devon, wo einst Agatha Christie die Kulissen für ihre verschlungenen Krimigeschichten beschrieb.

Peter Lamprecht