Neuste Ausgabe

Jean Jacques im Tapas Tango

Tapas

Es ist mal wieder so weit: Es ist Winter, es ist kalt und meine Laune ist nahe dem Gefrierpunkt. Und jetzt? Option A, lauthals meckern, kommt nicht infrage. Option B, Koffer packen und in den Süden fliegen, ist zeitlich aber nur schwer umzusetzen. Die rettende Idee verbirgt sich hinter Tor Nummer drei: die kulinarische Reise in die Sonne. Im Falle des ‚Tapas Tango‘ auf der Dahlener Straße in Rheydt treten wir einen Kurzurlaub ins wunderbare Spanien mit einem kleinen Schwenker über Argentinien an. Schon allein der Gedanke an leckere Häppchen, Aioli & Co. macht doch die Winterdepression vergessen.

Spätestens beim Betreten des Restaurants geht die Sonne endgültig auf – hier hört sie auf den klangvollen Namen Maria Fernanda Cascarano und wirbelt als Service-Chefin durch den Gastraum. Sie wird uns den ganzen Abend umsorgen, mit lockeren Sprüchen zum Lachen bringen und mit ihren Empfehlungen echte Geschmackserlebnisse – sowohl im Bezug auf den Wein als auch auf die Speisen – bescheren. Wobei wir beim wichtigsten Punkt wären: dem Essen.

Wie vermutet, lebt das Tapas Tango als spanisch-argentinisches Lokal von Steakspezialitäten und leckeren, kleinen Gerichten, die man nach Lust und Laune zusammenstellen und probieren kann. Ein bewährtes Prinzip, das hier aber irgendwie neu interpretiert wird. Denn in der Speisenkarte entdecken wir eine große Auswahl an Pintxos, auch Pinchos genannt: Brotscheiben, die mit verschiedenen Cremes, Gemüse oder Fischvariationen belegt und mit einem kleinen Holzspießchen, dem Pintxo, versehen sind. Aha, das Baskenland und seine Kneipenkultur lassen grüßen! Denn vor allem in San Sebastian und Umgebung gehören diese kleinen Happen zum Wein, wie hierzulande der Senf zur Frikadelle. Klar, dass auch wir uns eine kleine Auswahl zusammenstellen – und hellauf begeistert sind. Ich könnte aber auch verstehen, wenn jemand diese Euphorie nicht teilen kann. Wenn man es nicht mag, dass der Belag das Brot durchweicht, sollte man von Pintxos die Finger lassen und sich lieber auf die Klassiker der spanischen Küche stürzen.

Hier verwundert mich der erste Blick in die Karte. Zwar sind dort ein paar ’normale‘ Tapas wie frittierte Boquerones, Gambas oder Tortilla aufgeführt – groß ist die Auswahl aber nicht. Für Rettung sorgt mal wieder Maria … Sie erklärt uns, dass es täglich noch weitere Gerichte gibt, die aber wirklich tagesaktuell zusammengestellt werden und folglich nicht in gedruckter Form erscheinen. Und hier tauchen sie dann endlich auf, die heißgeliebten Kartoffelecken, feines Huhn in Wein und Knoblauch und würzige Venusmuscheln in Knofisauce. Oh, oh … mir tun schon jetzt meine Mitmenschen leid, die mich morgen ertragen müssen. Memo an mich: Morgen Extraportion Kaugummis und Minzbonbons nicht vergessen. Aber diese kleinen Leckereien sind einfach eine Sünde wert. Einzig die frittierten Sardellen habe ich schon besser gegessen – lecker sind sie trotzdem.

Haben wir allen Ernstes noch Hauptspeisen bestellt? Ich fürchte ja … Meine Begleitung wurde von der Zarzuela – einem spanischen Fischtopf – angelacht. Serviert wird eine große Portion ausgewählter Meeresköstlichkeiten von Muscheln, über Butter-, Thun- und Schwertfisch bis hin zu Garnelen in schmackhafter Sauce, dazu gibt’s Reis. Gut, den hätte ich nicht unbedingt gebraucht, was aber daran liegt, dass ich generell kein Fan dieser Körner bin. Ich hingegen war neugierig auf die argentinischen Steaks und habe mich für ein 200-Gramm-Exemplar aus der Hüfte entschieden. Hier erwartet mich eine weitere Überraschung: Das Fleisch wird live im Gastraum gegrillt – keine Angst, der Dunstabzug funktioniert. Und es ist doch tatsächlich ‚englisch‘, wie bestellt! Respekt … Dazu ein knackiges Salätchen und selbstgemachte Salsa – was wünscht man mehr?

Wir sind uns einig – dieses Tänzchen werden wir garantiert wieder wagen.

Ihr LeckerSchmecker
Jean Jacques