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‚Es kommt immer irgendwo was Neues‘

Musik

Es ist dieser Tage wirklich nicht leicht, einen Interviewtermin mit Michael Hilgers zu bekommen. Der Geschäftsführer des Warsteiner HockeyParks ist noch mehr unterwegs als sonst – und das will was heißen. Der 48-Jährige bastelt am Konzertprogramm für 2015, auch im neuen Jahr lotst er wieder absolute Topkünstler nach Mönchengladbach. Zwischen Planungen um Jan Delay, Sting und David Guetta fand der ehemalige Hockey-Olympiasieger dennoch Zeit für ein Gespräch mit der Urbano-Redaktion.
Herr Hilgers, kommt es eigentlich oft vor, dass Ihnen die Leute auf der Straße im Vorbeigehen dafür danken, dass Sie Mönchengladbach als Konzert-Standort wieder zum Leben erweckt haben?

Michael Hilgers Nein, aber darum geht es ja auch nicht und darauf lege ich auch überhaupt keinen Wert. Es ist doch egal, wer hier was macht. Wir versuchen einfach, tolle Dinge für diese Stadt und den HockeyPark zu realisieren. Uns ist es wichtig, dass die Leute hier hinkommen, sich für die Künstler begeistern, ordentlich mitfeiern und mit einem Lachen wieder nach Hause fahren.

Dennoch wundern sich viele, wie sich Mönchengladbach trotz des Standortnachteils, zwischen Düsseldorf, Köln und dem Ruhrgebiet zu liegen, in den vergangenen gut fünf Jahren zu einem so angesagten Konzertstandort gemausert hat …

Michael Hilgers Da stecken eine ganze Menge Kleinarbeit von unserem ganzen Team und viele Gespräche hinter. Es muss einfach alles zusammenpassen. Man braucht am Anfang auch ein wenig Glück, dann kommt am Ende etwas Erfolgreiches dabei heraus. Es war von Beginn an klar, dass sich der HockeyPark durch Veranstaltungen refinanzieren soll.

 
War es denn absehbar, dass sich hier einmal Elton John, Placebo oder Green Day die Klinke in die Hand geben würden?

Michael Hilgers Wir führen hier alle möglichen Events durch, von der Kleinveranstaltung in der Sportsbar bis hin zu Konzerten. Und genau die haben sich in einer Weise entwickelt, die nicht vorhersehbar war. Wir haben aber gespürt: Das ist ein großes Thema, das müssen wir ausbauen. Das haben wir Jahr für Jahr gemacht und mit guten Partnern tolle Veranstaltungen durchgeführt. Mittlerweile stehen wir bei den Managements oben auf der Liste, wenn ein Open-Air-Konzert für ungefähr 5.000 bis 20.000 Zuschauer durchgeführt werden soll. Da haben wir unsere Nische gefunden und spielen in einer Liga mit dem Königsplatz in München, der Waldbühne und der Wuhlheide in Berlin.

Blicken wir auf das gerade beginnende Jahr 2015 …

Michael Hilgers … ich glaube, dass wir da unser bisher bestes Programm zusammengestellt haben.

Im Juni sind David Garrett, Silbermond und David Guetta in Mönchengladbach zu Gast, im Juli Sting, Santiano, die Fantastischen Vier und Xavier Naidoo. Im August sind dann Jan Delay und Andrea Berg an der Reihe. Ist das Programm damit vollständig?

Michael Hilgers Es kann sein, dass da noch was zukommt, wir sind ständig in Gesprächen mit den Managements der Künstler. Aber für meine Begriffe ist das schon ein Mega-Programm, das wir da beisammenhaben.

Gibt es ein Konzert, auf das Sie sich besonders freuen?

Michael Hilgers Mein persönlicher Favorit ist Sting. Es ist sein einziges Konzert in Deutschland, er tritt erstmals mit einer fünfköpfigen Band bei uns auf und wird seine Hits und die von The Police spielen – das wird ganz sicher ein Highlight. Aber es sind so viele großartige Künstler dabei, ich möchte da eigentlich niemanden hervorheben.

Es fällt auf, dass eigentlich für jeden etwas dabei ist: Charts, Schlager, Klassik oder Hip-Hop. Dieser Stil-Mix ist sicherlich bewusst gewählt?

Michael Hilgers Natürlich. Man muss aufpassen, dass es am Ende nicht zehn Veranstaltungen aus einem Genre sind. Bei uns ist es ja nicht so, dass wir immer die gleichen Leute zu Besuch haben. Wir ziehen das Publikum nicht nur aus Mönchengladbach, sondern hauptsächlich auch aus der Umgebung, auch aus den Niederlanden und aus Belgien. Wenn wir zehn Konzerte haben, dann haben wir auch zehn Mal unterschiedliche Besucher – es ist die Kunst, auch dann bei jeder Veranstaltung das Stadion gut gefüllt zu haben.

Wie genau wird denn entschieden, wer hier auftreten darf?

Michael Hilgers Ich weiß ja, wer alles auf Tour ist und habe meine Vorstellungen, wen wir gerne hier haben wollen. Uns werden ja auch alle möglichen Künstler angeboten. Dann spielen Termine eine Rolle und Preiskalkulationen. Es kommt darauf an, zu welchen Konditionen der Künstler eingekauft wurde, dann ist wichtig: Hat der Künstler zum Konzertzeitpunkt gerade TV-Präsenz? Hat er ein neues Album? Eine neue Single? Das alles wird kombiniert mit den Ticketpreisen, den Gagen und den Nebenkosten. Und es wird ermittelt, wie viele Zuschauer kommen müssen, damit sich das Ganze rechnet. Dann bleibt am Ende die Frage, ob es sich lohnt, das Risiko einzugehen.

Sie stellen den Zirkel größer ein, mittlerweile veranstalten Sie Konzerte in Krefeld oder Münster …

Michael Hilgers Ja, in diesen Fällen mieten wir die Konzertlocations an. Mit dem KönigPalast Krefeld haben wir eine sehr enge Kooperation. Im vergangenen Jahr hatten wir Dieter Thomas Kuhn da, Status Quo und Lord of the Dance. In diesem Jahr kommen wieder Kuhn, aber auch Peter Kraus und ZZ Top. Es ist praktisch, dass wir so in der Nähe eine Ausweichmöglichkeit haben, wenn es Terminprobleme gibt, es von der Größe her nicht passt oder die Veranstaltung in der Halle stattfinden soll.

Es heißt, Sie sehen im Jahr rund 200 Konzerte. Haben Sie sich schon einmal mitreißen lassen von einem Künstler, den Sie vorher für sich nicht interessant fanden?

Michael Hilgers Diese 200 Konzerte sind ein reines Abarbeiten von Gesprächen mit den Managements hinter der Bühne und keine wirklichen Konzertbesuche. Dann schaue ich meist maximal 30 bis 60 Minuten in den Konzertsaal. Ich achte aber weniger auf den Künstler als vielmehr auf die Gegebenheiten vor Ort, den Ton und das Licht. Natürlich auch auf das Publikum und die Stimmung. Da ist es durchaus mal vorgekommen, dass ich gedacht habe: Die Leute waren so zufrieden, das können wir bei uns auch mal machen.

Seeed waren im vergangenen Jahr im HockeyPark und für Sie eine Art Herzensangelegenheit, genauso wie Sting im kommenden – haben Sie sich damit alle persönlichen Wünsche erfüllt?

Michael Hilgers Man kann sich nicht auf einen festlegen. Künstler wie Herbert Grönemeyer oder Sting, die wir ja schon zu Gast hatten und haben, haben ja auch schon problemlos große Fußballstadien gefüllt. Die sind bei uns. An dieser Stelle müsste man ja fast schon AC/DC nennen (lacht). Ach, es gibt so viele gute Künstler, dass man mittlerweile nicht endgültig sagen kann: Den will ich unbedingt haben und dann war’s das – es kommt immer irgendwo was Neues.

mle