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Die Küche als Bühne

Buehne

Man nehme ein paar mutige Menschen mit Ideen, dazu soziales Engagement, viel Sinn für Kultur und eine ordentliche Portion Humor. Alles gut mischen und durchbrodeln lassen. Mit diesem Erfolgsrezept serviert die Kulturküche seit eineinhalb Jahren einen Mix aus gutem Essen, Talkshow, Musik, Lesungen und Ausstellungen.

Die Bedeutung der Küche erlebt gerade eine Renaissance. Die Wohnküche ist wieder in, nicht nur auf Partys ist sie der Mittelpunkt des Geschehens. Hier sitzt man am Tisch, trinkt Kaffee und quatscht sich mal richtig aus. Dieses Prinzip greift der Kitchentalk auf, eines der beliebtesten und äußerst erfolgreichen Formate der Kulturküche in der Gladbacher Altstadt.

Jeden zweiten Mittwoch im Monat lädt Gastgeber Torsten Knippertz zwei nette Menschen zur gepflegten Unterhaltung ein. Seine Gäste haben einen Bezug zu Mönchengladbach und irgendwie eine Gemeinsamkeit. Exakt 64 Minuten und 49 Sekunden stehen dann zur Verfügung für Fragen, Antworten und das obligatorische Becherspiel. Das Format hat sich zu einem echten Renner entwickelt. Erst, wenn die Namen der Gäste über Facebook oder den Newsletter bekannt gegeben werden, können Karten reserviert werden.

Die Nachfrage ist besonders groß, wenn jemand aus dem Borussia-Umfeld sein Kommen zugesagt hat. „Zum nächsten Kitchentalk haben wir die Karten verlost“, erzählt Hannah von Dahlen, die das Kulturprogramm verantwortet. Kein Wunder, denn die Spieler Oscar Wendt und ein weiterer Borusse werden mit Knippertz am Tisch sitzen. Wer keinen Einlass mehr gefunden hat, muss trotzdem nicht auf die Talkshow verzichten: Jeder Kitchentalk wird aufgezeichnet und ist auf Youtube abrufbar.

Aber einseitige Kost schmeckt auf Dauer nicht. Das gilt auch für die Kultur. Deshalb bietet das Team der Kulturküche nicht nur viele kulinarische Leckereien, sondern auch ein abwechslungsreiches Angebot geistiger Nahrung. Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Kleinkunstabende wechseln sich ab. Unter dem Titel ‚Meschugge‘ wird die Kulturküche bei den Jüdischen Kulturtagen im Rheinland mit am Tisch sitzen.

„Am 21. März veranstaltet der Horst-Verein im Kolpinghaus ein Klezmer-Konzert und eine Party“, erzählt von Dahlen. Das Team der Kulturküche stellt dafür das Catering. Auf dem Speiseplan stehen jüdische Leckereien. Die gibt es auch einen Tag später, am 22. März, in den Räumen an der Waldhausener Straße. Dann kommt der Kunstkiosk ‚Shabbat to go‘ von 14 bis 19 Uhr in die Kulturküche. In einer Ausstellung werden die Eigenheiten jüdischen Lebens vorgestellt.

Freunde der leichten Kost, die trotzdem manchmal schwer verdaulich ist, werden sich auf den Mai freuen. Dann kommt der Komiker Martin Fromme, der einzige professionelle körperbehinderte Komiker Deutschlands, nach Gladbach. Als Ort gelebter Inklusion mit hohem Spaßfaktor gibt es für seinen Auftritt wohl kaum eine bessere Bühne in der Stadt.

Garnet Manecke