Neuste Ausgabe

Frühling oder Herbst? Das ist hier die Frage

reisen

Wenn bei uns die Krokusse blühen, zelebrieren die Menschen auf der Lieblingsinsel der Deutschen schon die Mandelblüte – das ist einer der Unterschiede zwischen Mönchengladbach und Mallorca im März. (Fast) Jeder weiß das. Aber, dass sich im gleichen Monat März der im Februar frisch geborene Nachwuchs der wilden Tiere rund um Südafrikas berühmten Krüger Nationalpark erstmals den großen Wasserstellen – und den dort fotografierenden Touristen – nähert, das hat noch Neuigkeitswert für viele von uns. Tatsächlich lohnt es sich durchaus, unseren Frühling, der Afrikas Herbst ist, an der Südspitze des afrikanischen Kontinents zu verbringen.

Ob die traumhafte Garden Route an der Ostküste oder Boulders Beach mit den putzigen Pinguinen auf der Kap-Halbinsel – ein Traum von einem Urlaubsland mit 2.500 Kilometern Küstenlinie, mit prächtigen Nationalparks, mit üppiger Flora und Fauna ist das. Sie haben die Wahl zwischen der brodelnden Weltstadt Kapstadt oder gepflegten bis komfortablen Lodges in einer traumhaften Wildnis. Sie können in den Drakensbergen klettern und in unserem Hochsommer sogar Skisport betreiben, Sie können baden bei Durban im Indischen Ozean oder im Atlantik bei Kapstadt. Sie können sich von Wüstenlandschaften verzaubern lassen, oder Sie genießen besondere Aromen bei einer Weinprobe in der Weingegend Stellenbosch. Kenner berichten auch von ungewöhnlichen Kochkünstlern, deren Kreationen in den Restaurants Südafrikas zu erstaunlich günstigen Preisen angeboten werden.

Selbst, wen es nach Luxus dürstet, dem kann in diesem Land geholfen werden: Sogar Fünf-Sterne-Lodges mit entsprechendem Gastro-Angebot sind am Fuß der Drakensberge und in der Nachbarschaft des Krüger Nationalparks verfügbar – all inclusive, nur „eine Rüssellänge von den Big Five entfernt“, wie es in einer aktuellen Werbung heißt. Oder übersetzt: Wer es dekadent mag, kann von seiner Liegestatt aus in der Abend- oder Morgensonne Elefant und Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard vorbeiziehen lassen – das Glas Champagner muss man dazu nicht einmal aus der Hand geben.

Das alles und endlos viel mehr ist im März, April und bis in den Mai noch unter herbstlich-milden Umständen zu genießen: Die Klimatabelle für den Raum Kapstadt weist für März und April immerhin noch bis zu 25 Grad aus, wobei diese Temperaturen dann doch eher nicht dem Normalfall entsprechen und es meist deutlich frischer zugehen kann. Garantiert wärmer ist es in den Frühlingsmonaten noch im Krüger Nationalpark – da kann man schon einen gemäßigten Vorgeschmack auf den deutschen Sommer erleben. Lediglich die echte südafrikanische ‚Wintersaison‘ hat im Juni, Juli und August ungemütlichere Werte im Angebot. Einschließlich reichlich Regen übrigens.

Auf der Südhalbkugel liegen die Jahreszeiten eben ‚verkehrt herum‘, jedenfalls nach unseren nördlichen Maßstäben. Wobei die Kapstädter, besonders weit südlich angesiedelt, die Unterschiede der Jahreszeiten deutlich bemerken, während andere Ferienregionen näher am Äquator die Differenz zwischen kühl und heiß kaum je zu spüren bekommen.

Khao Lak ist eine solche Gegend. Die thailändische Urlaubsinsel hat sich zu einem Dorado der Spitzenhotellerie entwickelt. Da ist dann das üppige Frühstücksbuffet samt reichlich tropischen Früchten und Säften mit Panorama-Ausblick auf Strand und Meer ausgerichtet, da finden Ayurveda- und Yoga-Kurse gleich bei den komfortabel gepolsterten Liegebetten am Strand statt: Badeurlaub vom Feinsten, gesäumt von tropischer Naturfülle – und das bei echten Sommertemperaturen in März und April, die auch gerne die 30-Grad-Marke knacken. Wobei die Luft deutlich feuchter wird, weil die ‚winterliche‘ Regenzeit naht: Durchschnittlich zehn Regentage weist die Klimatabelle hier im März aus, 13 sind es dann im April.

Frühlingsurlaub geht natürlich auch ‚made in Europa‘: „Inseln des ewigen Frühlings“ heißen Spaniens Kanarische Inseln vor Nordafrikas Westküste schließlich nicht umsonst. Nur zur Erinnerung: Teneriffas Thermometer zeigen im März und April durchschnittliche Temperaturen um die 20-Grad-Marke, der sich auch zugleich die Wassertemperatur wieder nähert.

Selbst Menschen mit der Neigung zur Flug-Abstinenz müssen ab März in Europa nicht mehr auf milde bis warme Ferien verzichten. Für Bahn- oder Autofahrer bietet sich Südtirol als Ziel fürs Frühjahr an. Das blühende Meran beispielsweise registriert im März bereits bis zu 16 Grad, im April sind es schon bis zu 19 – und im Mai sogar verlockende 18 bis 24 Grad Durchschnittstemperatur. Gepflegte bis luxuriöse Quartiere, eine chice City und die sattgrüne Umgebung erwachsen in dieser Zeit zu neuem, südlich anmutendem Leben. Da geht es sichtbar aufwärts, sogar etwas schneller als auf unserer Seite der Alpen.

Peter Lamprecht