Neuste Ausgabe

Jean Jacques in der Brasserie Gero

Manchmal ist das Leben einfach schön – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn meist bereiten einem die kleinen Dinge die größte Freude. Der erste Frühlingsspaziergang bei lauen Temperaturen zum Beispiel, bei dem man untermalt von fröhlichem Vogelgezwitscher das Erwachen der Natur hautnah erlebt. Wenn einen dann auch noch der Weg in ein gemütliches Restaurant zu kulinarischen Höhenflügen bei einem kühlen Bier oder guten Glas Wein führt – ja, in diesen Momenten ist die Welt doch völlig in Ordnung.

Jean Jaques

Sich den Alltag durch gutes Essen zu versüßen, rückt hierzulande erst jetzt immer mehr in unser Bewusstsein – anwesende Restauranttester selbstverständlich ausgeschlossen. In anderen Ländern jedoch wird das gemeinsame Genießen seit jeher zelebriert. Allen voran sind hier natürlich die Franzosen zu nennen – es heißt schließlich nicht grundlos ‚Leben wie Gott in Frankreich‘. Vom Café über Bistros bis hin zu den anspruchsvollen ‚Sternetempeln‘, Speis und Trank sind fester Bestandteil der Kultur. C’est la vie.

Ein Stück dieser Lebensfreude nach Mönchengladbach zu zaubern, das hat sich das Team der Brasserie Gero auf die Fahnen geschrieben. Vom Erscheinungsbild des Restaurants und einem ersten Blick auf die Karte darf man überzeugt sein, dass dieses Ziel auch mit Bravour erfüllt wird. Streng genommen ist der Name Brasserie nämlich die Bezeichnung für einen bestimmten Gaststättentypus: einfacher ausgestattet als ein Restaurant, aber mit einem größeren Angebot als eine Bar oder ein Bistro. Im Ursprung bedeutet das reine Wort sogar ‚Brauerei‘ – haben wir es hier also mit einer gutbürgerlichen Stube zu tun?

Wohl kaum. Das einzig Gutbürgerliche am Gero sind seine Backsteinfassade und die Auswahl an verschiedenen Bieren vom Fass. Gut, manche Gerichte klingen auch recht heimisch, so findet man Linsen und Braten auf der Speisekarte. Wie weit die Erwartungen, die solche Bezeichnungen wecken, und die letztendliche Umsetzung aber auseinanderliegen – das erfahren wir erst im Laufe des Abends. Der überwiegende Teil der Speisenkarte entführt einen wirklich in die Feinheiten französischer Landküche und Lebensart, eben neu interpretiert und mit regionalen Einflüssen – und das bei erstaunlich moderaten Preisen. Natürlich kann man es bei Austern, Trüffeln und Filet richtig ‚krachen‘ lassen, andererseits verspricht auch ein dreigängiges Menü für knapp über 20 Euro Gaumenfreuden der Extraklasse. Worauf die Wahl gefallen ist, muss ich Ihnen wahrscheinlich nicht weiter erklären …

Peu à peu werden also mediterran angehauchter Spinatsalat mit Nüssen und Schafskäse, französisches Maishähnchen an Chicorée und Kroketten sowie venezianisches Joghurteis mit warmem (!) Mirabellenkompott serviert. Mon dieu – hier folgt ein Höhepunkt auf den anderen. Ich habe es selten erlebt, dass ich weder Salz noch Pfeffermühle auch nur eines Blickes würdige. Alleine das Geflügel scheint im Mund zart zu zerschmelzen und über allem schwebt eine fein ausgewogene Kräuternote wie eine frische Brise direkt aus der Provence.

Die Auswahl meiner Begleitung fiel auf den ersten Blick etwas bodenständiger aus. Hier bildeten warme Linsen mit kross gebackener Blutwurst den fulminanten Auftakt – erstaunlich, wie elegant der Geschmack einer solchen Zusammenstellung doch sein kann. Zur Hauptspeise verführt Kabeljau auf einer feinen Senfsauce an knusprigen Bratkartöffelchen. Die Kombination aus bekannten Geschmäckern und französischen Highlights überrascht – Chapeau!

Satt und zufrieden wagen wir nun noch einen kleinen Gang durch den erleuchteten Geropark, um den lauen Frühlingsabend ausklingen zu lassen und sind überzeugt: La vie est belle.

 

Brasserie Gero

Weiherstraße 51 | MG
Fon 02161.628858
www.brasserie-gero.de

Öffnungszeiten
Mi – So 12 – 15 Uhr & 18 – 23.30 Uhr
Mo & Di Ruhetag