Neuste Ausgabe

Jean Jacques im Nierskind

Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna? Merkwürdig, dass mir immer wieder dieser alte Slogan durch den Kopf geht, wenn ich an eines der neuesten Mitglieder der Mönchengladbacher Gastrolandschaft denke … Aber irgendwie weckt dieser Satz vertraute Erinnerungen und gibt ein wirklich gutes Gefühl.

Nierskind
Vielleicht liegt diese Verbindung aber auch an der Art, wie sich das Restaurant schon vor der Eröffnung präsentierte. Schon die Stellenausschreibungen klangen irgendwie anders: jünger, lockerer – ‚hip‘ ohne aufgesetzt zu wirken. Besonders einprägsam war jedoch die Ankündigung, die hier und da im Netz zu finden war: „Die Niers als Fluss verbindet eine ganze Region und das Nierskind möchte verbinden, nämlich Menschen! Wir alle sind Nierskinder, welche hier in dieser Stadt, in dieser Region, aufgewachsen sind, hier leben, arbeiten, gestalten und diese Region lebenswert machen.“ Na, jetzt können Sie mich bestimmt verstehen …

Und noch eine Verbindung zu den guten alten Zeiten tut sich auf: Wo man sich heute kulinarisch verwöhnen lassen kann, wummerten einst die Bässe und trieben die Mönchengladbacher Partybiester auf die Tanzflächen der ‚Factory‘. Unvergessliche Nächte garantiert die alte Textilfabrik also immer noch. Jetzt eben nur genussreicher, ruhiger und – soweit man es von einem Restaurant behaupten kann – herzlicher. Ein scharfer Blick aufs Detail ist im gesamten Konzept zu spüren.

Der Plan war es, der Heimatliebe auf besondere Weise Ausdruck zu verleihen und, da Liebe ja bekanntermaßen durch den Magen geht, auch die Gäste mit der gleichen Begeisterung anzustecken. Und wie soll das erreicht werden? Ganz einfach: Wer an der Wehnerstraße schlemmt, genießt das Beste, das die Region zu bieten hat. Regionale Küche 2.0 sozusagen: Nicht die Rezepte sind an einen bestimmten Landstrich gebunden, sondern die Zutaten! Vor allem auf dem Fleisch liegt besonderes Augenmerk: Es stammt nicht nur ausnahmslos vom Niederrhein, sondern erhält in Korschenbroich durch einen schonenden Reifeprozess die Vollendung zum Dry-aged-Beef, das übrigens auch für die Burger verwendet wird.

Dry-aged-Burger? Das ist doch mal eine Ansage … Satte sieben Varianten plus die vegetarische Alternative erspäht man auf der Karte, neben schmackhaften Klassikern auch wirklich exotische Kreationen mit Ziegenkäse und Ingwer-Ananas-Chutney oder Teriyaki Mayo, Babyspinat, Avocado und Sesam. Natürlich kann man seinen Burger auch frei mit allerlei Extras kombinieren.
Man sieht, das Nierskind ist ein Fleischrestaurant par excellence. Rund um Rib-Eye, T-Bone, Burger & Co. glänzt die Speisenauswahl mit hausgemachten Saucen und Mayonnaisen, gegrilltem Gemüse und ausgefallenen Beilagen wie Süßkartoffel-Pommes oder Apfel-Fenchel-Salat. Charakteristischstes Küchengerät ist der Josper-Grill – quasi der Ferrari der Feuerstellen, der zugleich grillt und räuchert und ausschließlich mit Quebracho-Holz befeuert wird. Ich für meinen Teil

hatte bis dato noch nie von diesem Wunderwerk der Kochkunst gehört, im Nachhinein frage ich mich jedoch, warum. Denn der Geschmack, der sich aus dem Zusammenspiel zwischen Grill und Holz ergibt, ist wirklich unvergleichlich: leicht rauchig und sanft würzig.

Was mich in besonderem Maße überzeugt hat, war neben der hervorragenden Fleischqualität die Zubereitung der Gerichte. Eine offene Küche, bei der man jeden Arbeitsschritt sehen kann, findet man nicht. Stattdessen kann man jeden einzelnen Schritt der Vorbereitung beobachten: Vor den eigenen Augen wird das Fleisch für die Burger zerkleinert, sein Steak sucht man sich an der offenen Theke selber aus und sagt, wie viel vom großen Stück abgeschnitten werden soll – Vorteil hier: Der Preis ist absolut grammgenau. In Zukunft soll man sich den Luxus des Dry-aged-Beefs übrigens auch zu Hause gönnen können, einfach vor Ort abschneiden und einpacken lassen. Eine gute Idee. Hätte ich jetzt noch einen Josper-Grill, würde ich dieses Angebot bestimmt oft nutzen. Habe ich aber nicht – also werde ich wohl doch im Nierskind der Fleischeslust frönen …

Ihr LeckerSchmecker
Jean Jacques

NIERSKIND

Wehnerstraße 1 – 7 | MG
Fon 02161.6605850
www.nierskind.de

Öffnungszeiten
täglich 17 – 24 Uhr
Küche 17 – 22.30 Uhr