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Stadt und Strand

Kategorie(n): Kultur//Reisen, Lebensart

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Dass die Berliner nur eine U-Bahnfahrt vom Ferienfeeling am Wannsee entfernt sind – wir wissen es spätestens, seit die kleine Cornelia vor gut 60 Jahren im Radio ihr Liedchen ‚Pack die Badehose ein‘ geträllert hat. Metropolen und Urlaub – das muss eben nicht nur die Besichtigung von Museen, Palästen oder Kathedralen bedeuten. Nicht in Berlin, auch nicht in Vancouver oder Singapur, nicht in Valletta und erst recht nicht in Barcelona. Wo künstlich erschaffene Ferienorte manchmal etwas bemüht um Flair und Atmosphäre abseits des Badebetriebs tagsüber ringen, da trumpfen die Großen der Reisewelt nahezu verschwenderisch auf mit ihren Reizen. Und das auch beinahe rund um die Uhr. Und ganz besonders im Sommer.

Nimmt man die Temperaturen zum Maßstab, dann ist in Singapur nach unserem Gefühl eigentlich immer Sommer. Tropisch geht es in dem asiatischen Stadtstaat zu, der gerade die Ausmaße der Freien und Hansestadt Hamburg hat. Den Unterschied der Jahreszeiten markiert hier bestenfalls die Luftfeuchtigkeit und die Regenmenge pro Tag. Aber Singapur ist ‚in‘. Folgen wir dem australischen Reiseverlag Lonely Planet und seinem weltweit beachteten alljährlichen Ranking der zehn Top-Trend-Reiseziele, dann ist Singapur 2015 die Nummer eins unter den Städten der Welt.

Gut zehn Nacht-Flugstunden von NRW entfernt, brodelt das Leben der Händler und Banker tagsüber im Schatten der Wolkenkratzer und in der Nacht glitzern die Lichter – sogar im Zoo mit seinen weißen Tigern und im berühmten Botanischen Garten werden nächtliche Spaziergänge angeboten, ein unvergleichliches Erlebnis. Hotels internationaler Klasse, asiatische Gastronomie aller Richtungen, ehrwürdige Paläste aus kolonialer Vergangenheit, in diesem Jahr auch der Start der neuen, eindrucksvollen Marina: Singapur ist ein Stadt gewordener Appetithappen für alle, die Asien noch nicht genossen haben. „Asien Light, mit europäischem Einschlag“, behaupten Kenner. Dass es hier außerhalb der Hotelpools richtigen Wassersport gibt, natürlich auch Badestrände – es soll nicht vergessen werden. Schließlich braucht man Erfrischung nach einem Gang durch die Shopping-Paläste dieser Megastadt.
Am anderen Ende der Erdkugel, an Kanadas pazifischer Westküste, beherbergt das Kleinod Vancouver gerade in diesen Sommermonaten wieder tausende touristische Feinschmecker. Der Pazifik sorgt hier für ausgeglichene Temperaturen und die Stadt samt ihrer Nachbarschaft quillt über vor Attraktionen. Mächtige Wälder, traumhafte Parks, die bis ans Meer heranreichen, die Gründerzeitkulisse des Kneipenviertels ‚Gastown‘, die europäische Qualität der westkanadischen Küche, in der Ferne die bizarren Gipfel der Rocky Mountains und vor der Tür alles, was das maritime Herz erträumt – es fällt sicherlich schwer, Menschen zu finden, die diese Stadt nicht anziehend finden. Hunderte von Möglichkeiten für Aktive und Mutige listen die Tourismusführer auf, vom Rafting bis zur Walbeobachtung, von Biker-Touren ins nahe Gebirge bis zum Kletterausflug und zur Tagesreise nach Whistler, dem Zentrum der Olympischen Winterspiele 2010.

Zurück nach Europa: Platz fünf auf der Liste der weltweiten Trend-Reise-Städte hält in diesem Jahr Valletta, die Hauptstadt der ehrwürdigen Insel Malta. Etwas am Rande des Blickwinkels bei der Betrachtung reizvoller Mittelmeerziele gelegen, verdienen Hauptstadt und Insel tatsächlich ihre erstklassige Bewertung. Hier gelang zum ersten Mal, was aktuell viele in Europa noch ersehnen: eine Verschmelzung der Kulturen des alten Europa und des ursprünglichen Arabien. So ist die Sprache der Malteser bis heute als Einzige mit Bestandteilen beider Kulturen gespickt.

Die prächtige Einzigartigkeit ihres Stadtbildes verdankt Valletta allerdings einem heldenhaften Abwehrkampf der Malteser-Ritter gegen eine übermächtige Invasoren-Truppe der Osmanen. Das war 1565, und danach errichteten die Malteser so mächtige Festungswälle, dass nie wieder ein Eroberer eindringen mochte. Bis dann Napoleon ohne Kampf eingelassen wurde. Der korsische Franzosen-Herrscher fand eine Stadt vor, die zweieinhalb Jahrhunderte zuvor vom päpstlichen Baumeister Francesco Laparelli auf dem Reißbrett geplant worden war: großzügige Plätze, mächtige Paläste und Kathedralen, alles aus einem besonderen Stein, der immer in der Abendsonne schimmert wie Gold. Dieses goldene Stadtpanorama thront über den beiden größten Naturhäfen des Mittelmeeres, die ebenfalls golden schimmern – so bieten Malta und Valletta ein unübertroffenes Bild vor allem für die Kreuzfahrer, die um die Abendstunden aus den Häfen auslaufen.

Der Exkurs in die geschichtlichen Hintergründe ist hier fast zwangsläufig, aber natürlich bieten Malta und Valletta auch durchaus gegenwärtige Ferienattraktionen: Strandleben gibt es vor allem an der Golden Bay und der Bucht von
Mellieha, die Gastronomie in den historischen Gassen und am Hafen muss sich vor niemandem verstecken, und auch Kindern wird viel geboten – beispielsweise in der Kulisse des Piratendorfes ‚Popeye Village‘, wo einst der Kinofilm Popeye gedreht wurde.

Wer „Barcelona“ sagt, denkt je nach Temperament und Gusto entweder an den wiederholten Champions-League-Sieger FC Barcelona, an die Kathedrale ‚Sagrada Familia‘, an die brodelnde Innenstadt oder an den unvergleichlichen Park Güell. Barcelona gehört zu den beliebtesten Zielen des Städtetourismus, und zwei Termine mit besonderer Magnetwirkung stehen bevor. Am 15. August feiert die Stadt wie ganz Katalonien und die übrige katholische Welt das Fest Mariä Himmelfahrt. Und am 11. September wird die ‚Diada‘ begangen, der Nationalfeiertag. Da wimmelt und wummert es in allen Stadtvierteln, auf den Plätzen und in den Kneipen.

Aber dass Barcelona auch seinen eigenen, durchaus beachtlichen und besuchenswerten Stadtstrand unterhält, das wissen noch längst nicht alle Touristen. Er beginnt im Stadtteil Barceloneta und ist mit der Tram oder mit der U-Bahn zu erreichen, wie der Wannsee in Berlin.

Vier Kilometer gepflegter, wenn auch angeschütteter weißer Sand warten dort, dahinter eine Wasserqualität, die gerade wieder von der EU mit „gut bis sehr gut“ benotet worden ist. Hier gibt es alles, was der geneigte Strandtourist erwartet: Palmenpromenade, Duschen und WC, Läden, Gastronomie, Liegen und Sonnenschirme. Es ist die Verlängerung der Costa Brava mit Weltstadt-Kulisse, und das hat gerade in Barcelona einfach Weltklasse.