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Party-Eier

Kategorie(n): Kolumne, Kultur//Reisen

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Was sind denn bitte ‚Party-Eier‘? Ich kenne alle möglichen Arten von Eiern: Hühnereier, Gänseeier, Überraschungseier, Schokoeier, Fabergé-Eier und natürlich die viel zitierten Eier von Oliver Kahn, die aber in eine ganz andere Richtung schwenken. In der Soziologie kennt man noch das Landei und im Kölner Karneval ist vom Zimmermann, dem Ei, die Rede. Die Party-
Eier, von denen ich hier berichte, sind ein neu geschaffener Umsatzartikel der Nahrungsmittelindustrie, der uns früher lediglich in der Osterzeit begegnete.

In der SB-Theke sind nun die befruchteten Eizellen hübsch in transparentem Plastik verpackt das ganze Jahr über der genussorientierten Spaßgesellschaft zugänglich. Vorbei die Zeit, in der man als Kind den Kultmoment des häuslichen Eierfärbens im gleichen Maße genossen hat wie das Plätzchenbacken in der Weihnachtszeit. Der durchschnittliche pro Kopf Verbrauch lag in Deutschland im Jahr 2014 bei 231 Eiern. Eine Statistik, wie viele von diesen gefärbt waren, konnte ich leider nicht auftreiben.

Sechs unterschiedlich gefärbte Eier bieten laut Packungsbeilage den ultimativen Geschmacksspaß, sei es als Beilage beim Grillen oder einfach als Zwischensnack bei der Bescherung unterm Weihnachtsbaum. Doch wer kauft so etwas? Meine Frau! Die Verweildauer einer neuen Packung im Kühlschrank liegt im Stundenbereich. Spätestens, wenn die Kinder nach der Arbeit zu uns kommen und den Kühlschrank plündern wie einst die Goten Mitteleuropa, ist die Zeit der Eier nach dem Leeren der Wurstdose und des Bresso gekommen. Ob mit Maggi, Balsamico Essig oder einfach nur mit Fleur de Sel – innerhalb weniger Minuten sind sie verputzt und übrig bleibt ein bunter Haufen Schale. Für mich bleibt – wie immer – keines übrig (heul doch!).

Eigentlich eine clevere Erfindung der Genussmittelindustrie. Die Färbeanlagen sind (fast) ganzjährig ausgelastet und die Legehennen brauchen vor Ostern keine Sonderschichten zu ‚drücken‘.

Vielleicht fällt mir ja auch mal so etwas ein und ich melde es dann zum Patent an. Zum Beispiel ‚Stollen to go‘ oder ‚Feuerzangenbowle in der Dose‘. Why not?
Es gibt ja schließlich auch schon Käse am Stiel oder Schnitzel für den Toaster.

Wer sich für ausgefallene Genussmittel interessiert, dem lege ich die Internetseite ‚thailandunique.com‘ ans Herz. Dort kann man alles, was krabbelt oder Ekel hervorruft, in verschweißten Alu-Tüten ordern. Besonders pikant sollen die kambodschanischen Tarantulas schmecken. Und wenn die Nachbarn zu oft zum Grillen rüberkommen, servieren Sie doch einfach mal die original ‚BBQ Flavour 4 Bug Kebabs‘ (4 verschiedene getrocknete Käfer am Spieß). Die kommen so schnell nicht wieder …

Guten Appetit,
und don’t call it egg …