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Barcelona – das Traumlos der Borussia-fans // November 2016

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Borussias letztes Gruppenspiel in der Champions League findet beim FC Barcelona statt, dem Klub des gebürtigen Mönchengladbachers Marc-André ter Stegen. Tausende VfL-Fans werden nach Spanien reisen, um ihr Team zu unterstützen – und die Urbano-Redaktion gibt Tipps, was man sich unbedingt anschauen sollte.

Marc-André ter Stegen freut sich schon auf den Abend des 6. Dezember. Es steht für seinen FC Barcelona wieder einmal Champions League auf dem Programm. Es wird der letzte Spieltag der Vorrunde ausgespielt, und es muss schon mit dem Teufel zugehen, wenn die Katalanen ihre Gruppe nicht als Sieger beenden. So, wie es eigentlich fast immer ist – denn der FC Barcelona zählt zu den besten Vereinsmannschaften der Welt. Und der gebürtige Mönchengladbacher ist seit knapp zweieinhalb Jahren ihr Torwart. Von seinem fünften Lebensjahr an hat er für Borussia gespielt, 18 Jahre lang, von der F-Jugend bis in die Bundesliga – bis er dem Angebot des FC Barcelona nicht widerstehen konnte und den Niederrhein schweren Herzens verlassen hat.

Und genau deswegen freut er sich auch so auf den 6. Dezember. Denn nachdem er mit Neymar und den anderen Kollegen bereits Mitte September in Mönchengladbach angetreten ist und 2:1 gewonnen hat, kommt es nun in seiner neuen Heimat Barcelona zum Rückspiel. Seine Familie wird im legendären Stadion Camp Nou auf der Tribüne sitzen, viele Freunde aus Mönchengladbach auch. Und er weiß auch, dass Barcelona für viele, viele Borussia-Fans das Traumlos schlechthin darstellt und tausende VfL-Fans nach Spanien reisen. Wegen des Weltklasse-Gegners, wegen des Wiedersehens mit ihm und auch wegen der atemberaubend schönen Stadt. Dies sind ein paar Tipps für die reisefreudigen Borussia-Fans.

Das Stadion

Als Sightseeing-Tipp eigentlich überflüssig zu erwähnen. Denn die anreisenden Fans werden dieses wunderschöne, gleichwohl ein wenig in die Jahre gekommene Fußballstadion ja ‚in Aktion‘ erleben. Nicht nur, weil es mit knapp 100.000 Plätzen Europas größtes Stadion ist, eine absolute Attraktion. „Das Camp Nou ist ganz anders als der Borussia-Park, aber es wird Euch gefallen“, sagt Marc-André ter Stegen. „Es atmet die große Geschichte dieses Vereins, und man spürt förmlich, was hier für große Schlachten geschlagen wurden.“

Das Vereinsmuseum

Ein Verein, der allein in den vergangenen elf Jahren viermal die Champions League gewonnen hat und sich seit jeher die Titel in Spanien im Grunde mit dem großen Rivalen Real Madrid aufteilt, hat natürlich einiges vorzuzeigen. Jedoch ist das ‚Camp Nou Experience‘ mehr als nur ein riesiger Trophäenschrank, sondern ein modernes Vereinsmuseum mit reichlich Interaktivem zu entdecken. Heimlicher Höhepunkt: die riesige Videowand, auf der erst ein einzelner Fan die Barca-Hymne singt, immer mehr hinzukommen, bis ein riesiger Chor zu sehen ist und gemeinsam brüllt. Gänsehaut ist garantiert. Danach lohnt ein Besuch des dreistöckigen Fanshops, in dem es natürlich auch das giftgrüne ter Stegen-Torwart-Trikot zu kaufen gibt.

Die Ramblas

Laut, hektisch, voll, aber auch bunt und interessant – das sind die Ramblas, die größte Flaniermeile der Stadt. Von morgens früh bis abends spät strömen die Menschen die platanenbewachsene Straße entlang, bleiben zum Plausch stehen, trinken einen Kaffee, beobachten die vielen Straßenkünstler oder kaufen schlicht in einem der vielen Geschäfte ein. Die Ramblas sind gewissermaßen die Hauptschlagader der Stadt und wer sich dort in aller Ruhe treiben lässt, wird etwas erleben, was ter Stegen bisher nicht oft vergönnt war: „Barcelona ist eine absolute Fußballstadt“, sagt er. „Es gibt so viele Zeitungen, die über Fußball berichten, so viele Fernsehsender. Ich bin mittlerweile hier so bekannt, dass ich nicht in aller Ruhe schlendern könnte …“ Deshalb meidet er den Trubel. Um diesem Wahnsinn entfliehen zu können, wohnt er lieber außerhalb der Stadt. Absoluter Tipp auf den Ramblas: der Mercat de la Boqueria, eine riesige Markthalle mit einer unendlichen Auswahl an frischen Produkten.

Der Parc Güell

Allgegenwärtig in der Stadt: der brillante Architekt Antoni Gaudi i Cornet. Der visionäre Künstler hat mit Bauten wie der kurvenreichen, gewundenen Casa Mila das Stadtbild geprägt, die neogotische Kathedrale La Sagrada Familia ist eine weltberühmte Dauerbaustelle. Wem Kunst aber zu schwer ist, dem sei der Parc Güell ans Herz gelegt. Der 15 Hektar große Park, der oberhalb der Stadt liegt, ist einfach nur eine riesengroße märchenhafte Spielerei, in der der Künstler seiner Fantasie freien Lauf ließ. Wasserfontänen, steinerne Fliegenpilze, bunt gekachelte Salamander und viel Grün, noch dazu eine prachtvolle Aussicht auf die Stadt – der Parc Güell macht wohl jedem Barcelona-Besucher Spaß.

Tapas essen

„Die spanische Lebensart und Kultur haben meinen Horizont erweitert“, gesteht Marc-André ter Stegen. Zum südl.ndischen Leben zählt natürlich auch eine ganz andere Essenskultur. Zu einem Aufenthalt in Barcelona gehört eigentlich auch ein Abend in einer Tapas-Bar. Welche denn nun die Beste ist in dieser riesigen Metropole, das sei dahingestellt. Jedenfalls wird man in der ‚Irati Taverna Basca‘ im Barri Gotic sicher nicht enttäuscht. Ob deftige Schinkenstücke, Oliven, Sardellen, pikanter Käse, Chorizo-Salami – beinahe jede vorstellbare kulinarische Köstlichkeit, die sich auf einem Zahnstocher aufspießen lässt und die zur Cerveza, zum Cava oder zum Gläschen Champagner passt, wird angeboten. Die Atmosphäre ist im Idealfall laut und eng, manchmal, so wie in der fantastischen ‚Xampanyaria Can Paixano‘ in der Nähe des Stadtstrands La Barceloneta, gibt es nicht einmal Sitzplätze. Abgerechnet wird am Ende ganz einfach: Es werden die leeren Zahnstocher auf dem Teller gezählt.

Ausflug auf den Tibidabo

Eigentlich ist es zu kitschig, um wahr zu sein. Im Zentrum der Stadt, an der Avinguda del Tibidabo, schleppt sich eine 115 Jahre alte Bimmelbahn, die ‚Tramvia Blau‘, die erste Hälfte des Bergs Tibidabo hinauf, den Rest erledigt dann eine Drahtseilbahn. Oben angekommen, warten ein Vergnügungspark für Kinder mit Achterbahn und Riesenrad (!), eine wunderschöne Kirche und ein atemberaubender Blick aus 575 Metern über dem Meeresspiegel über die Stadt.

Studentenkneipe La Oveja Negra

Das Bier wird auf Wunsch in überdimensionalen Gläsern mit Zapfhahn serviert, die groben Holztische sind meist von jungen Gruppen umlagert. Das ‚La Oveja Negra‘ (Schwarzes Schaf) im lebhaften Stadtteil La Raval wird vor allem den Borussia-Fans unter 30 gefallen, denn hier feiert und trinkt die internationale Studentenszene Barcelonas. Kein Schicki-Micki-Laden, sondern eher eine große Trinkhalle mit Brauhaus-Atmosphäre.

Auf zum Strand!

Bei durchschnittlichen Temperaturen von 12 Grad im Dezember können die Borussia-Fans ihre Badehose mit Raute sicherlich zu Hause lassen. Aber dennoch bedeuten Europapokalspiele ja immer auch die Sehnsucht nach der viel besungenen ‚Woche Sandstrand‘. Zu den Olympischen Sommerspielen 1992 hat sich die Stadt den Strand ‚La Barceloneta‘ gegönnt, einen künstlich angelegten, aber tollen Sandstrand. Sicherlich tagsüber einer der Treffpunkte für manche VfL-Fans.

mle