Neuste Ausgabe

Echte Schmuckstücke // März 2017

Kategorie(n): Lebensart, Mode, Urbanes

Schon seit der Jungsteinzeit nutzt der Mensch den Knopf. Ursprünglich war er reine Zierde, erst im 13. Jahrhundert bekam er seine Funktion. Heute bleibt dieses kleine nützliche Utensil meist bescheiden im Hintergrund und hält zusammen, was zusammenhalten soll. Hin und wieder bekommt er seinen großen Auftritt, wenn er aus einem besonderen Material ist oder durch Farbe und Form auffällt. Dann macht er zum Beispiel aus einer einfachen Hose ein topmodisches Outfit. Anja und Rüdiger Schorn stellen seit 1985 Knöpfe her. Den Urbano-Lesern geben sie einen kleinen Einblick in diese Welt.

Anja und Rüdiger Schon

Anja und Rüdiger Schorn

Die Färberei in den Räumen des Wick-rather Unternehmens sieht anders aus, als man sich das vorstellt. Keine großen Farbwannen, keine Dämpfe, kein Zischen und Rauschen von Maschinen. „Für das Färben braucht man Erfahrung und einen guten Blick“, sagt Geschäftsführer Rüdiger Schorn. Sein Mitarbeiter hat beides. Vor ihm köchelt das Farbbad in einem großen Topf, wie er in jeder größeren Küche stehen könnte. Mit einem Schaumlöffel fischt er einen Knopf heraus und vergleicht die Farbe mit seinem Muster. Der Ton ist noch zu schwach, es muss Farbe zugegeben werden. Knöpfe herstellen ist mit viel Handarbeit und Augenmaß verbunden.

Für Mode, die in großen Mengen produziert wird, wie Hosen, Hemden oder Blusen werden die Knöpfe industriell hergestellt. Aus Polyesterplatten oder -stäben werden runde Plättchen, in der Fachsprache Rondelle, geschnitten. „Bei der anschließenden Verarbeitung bekommen sie ihre Form und die Löcher zum Annähen“, sagt Anja Schorn. „Solche Knöpfe können wir nach Kundenwunsch produzieren.“ Für die richtige Farbe dienen Nähgarne, Stoffmuster und Farbkarten als Vorlage.

Eine andere Methode der industriellen Herstellung wird bei Polyamid-Knöpfen eingesetzt. „Dafür wird ein feines Granulat erhitzt und in flüssigem Zustand in die Formen gespritzt“, erklärt Anja Schorn.

Die Knöpfe der eigenen Kollektion entwirft Anja Schorn selbst. Anregungen holt sie sich auf großen Modenschauen und bei den wichtigsten Branchenmessen für Mode, Stoffe, Garne und Zutaten wie der Munic Fabric Start in Deutschland, der Milano Unica in Italien und der Pariser Première Vision. Auf Musterkarten kombiniert die 49-Jährige die Knöpfe mit passenden Modefotos und Farbkarten, um bei der Präsentation einen Eindruck zu geben, wie die Knöpfe optimal wirken.

Neben der eigenen Kollektion stellt das Wickrather Unternehmen viele Knöpfe nach speziellen Kundenwünschen her. Sei es der Name des Modelabels auf dem Knopf für die Jeans, seien es Wappen oder Logos: Was machbar ist, wird produziert. Hornoptik, Metallknöpfe mit Patina, Knöpfe mit Perlen und Strasssteinen oder der Hummerknopf für die Kochjacke – in den Schubladen mit den Musterknöpfen finden sich tausende unterschiedliche Modelle.

Das Naturkind unter den Knöpfen ist die Steinnuss, der Samen der Steinnusspalme. „Sie wird oft bei Naturkleidung verwendet“, sagt der Unternehmer. Die Oberfläche hat eine angenehme Haptik und zeigt die Struktur eines Steins – egal, wie der Knopf eingefärbt wird und ob er in der Endverarbeitung matt oder glänzend sein soll.

Horn und Perlmutt sind die edle Haute Couture der Knopfherstellung. „Hornknöpfe werden aus Büffelhorn hergestellt“, erklärt Rüdiger Schorn. Die Härte des Materials und seine geschwungene Form machen es sehr aufwendig, die Platten herauszustanzen. „Das ist echte Handarbeit“, sagt der 54-Jährige. „Das Gleiche gilt für Perlmutt-Knöpfe. Man muss bei den Muscheln aufpassen, dass sie nicht brechen, weil die Oberflächen nie ganz eben sind“, erklärt Anja Schorn. „Das ist sehr kostenintensiv.“ So ein Knopf ist dann aber ein echtes Schmuckstück.

 

Garnet Manecke

 

INFO // Schorn GmbH, Hocksteiner Weg 72, Mönchengladbach, www.schorn-knopf.de