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Sind Sie gut im Bett? // März 2017

Kategorie(n): Kolumne

Gregor Kelzenberg Kolumne

Also, was mich angeht – ich zähle mich zu den Besten. Egal, wo ich auch ins Bett gehe, ich kenne keinen, der besser schläft als ich! Und das nicht nur im eigenen Bettchen daheim. Ob ich mich im Luxushotel am Meer oder in einer alpinen Hochgebirgshütte im Schlaflager auf verfilzten Bergwachtdecken niederlasse, sobald ich mich zugedeckt habe, schlafe ich stets wie ein Bär im Winter. Dazu brauch ich kein Chichi und keinen überflüssigen Wohlstandskrempel, von dem jede Menge angeboten wird.

Eine angenehme Decke, im Sommer nicht zu warm, im Winter nicht zu kalt, und alles ist gut. Hauptsache, die Füße sind zugedeckt und es ist nicht zu dunkel. Ich war mal mit meiner Frau in einem 5 Sterne Hotel einer noblen Hotelgruppe (natürlich im Preisausschreiben gewonnen …), in dem man uns beim Einchecken eine ‚Pillow Card‘ vorlegte. Ob nun Rosshaar-Füllung, Entendaunen oder Wachtelnackengefieder – ich kannte bislang nur die Cocktailkarte.

Wenn Dir aber in der Beschreibung zum Relax Buchweizen Hirse Kissen folgende Versprechen angetragen werden: „… weich fließende, doppelt gereinigte, runde Hirseschalen aus biologischem Anbau … sorgen für entspannte, erholsame Stunden der Regeneration. Lavendelblüten, Hopfenzapfen und beruhigende Goldmelisse mit einem Hauch Baldrian runden das Aroma harmonisch ab und vermögen lt. Kräutermagie, die schlechten Träume abzuhalten“, hast Du vorher alles falsch gemacht und endlich einen Verantwortlichen für Deine Albträume gefunden. Zwei normale Edelobstbrände haben im Übrigen die gleiche Wirkung!

Ich musste lernen, Bett ist nicht gleich Bett.  Auf diesem Sektor hat sich so einiges getan. Ich hatte ja mehrfach Gelegenheit, auf meinen Pilgerreisen die unterschiedlichsten Komfort-Klassen von Betten in Pilgerherbergen kennenzulernen. Dort bin ich keinmal gefragt worden, ob ich Seitenschläfer oder mein Schlafsack kompatibel zur Tonnentaschenfederkern System Latex Matratze sei. Wenn Sie heute in ein Bettenfachgeschäft gehen und sagen: „Ich hätte gerne ein Bett“, sucht der Fachverkäufer wahrscheinlich die versteckte Kamera oder trommelt die Kollegen zum kollektiven Auslachen herbei: „Er will ein Bett – hat er gesagt!!!“

Neulich war ich mit meiner Frau in einem neu eröffneten Möbelhaus am Stadtrand von Köln, in dem Thomas Gottschalk auch seinen Wohnbedarf zu decken scheint. Die Bettenabteilung bräuchte eine eigene Postleitzahl! Wenn Sie in jedem Modell drei Minuten Probeliegen wollen, geht der Jahresurlaub drauf. Vom Eingang zum Ende der Abteilung kann man die Erdkrümmung sehen … Aber jetzt mal ohne Quatsch: Man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.

Kennen Sie noch den Klassiker von Loriot beim Probeliegen? Damals haben wir uns schon schlapp gelacht, als Herr Hallmackenreuther das Modell Allegro vorführte: „… mit doppeltem Federkern und Palmfaserauflage. Die Federmuffen sind einzeln aufgehängt und kreuzweise verspannt, also hüftfreundlich in der Seit- und Bauchlage“. Zu dieser Terminologie sind zwischenzeitlich hunderte Fachausdrücke hinzugekommen, die sehr zur Verwirrung beitragen.

Wer heute ein Bett kaufen möchte, wird vermessen, als ginge es für sechs Monate zur Mars-Mission mit der NASA. Der größte Trend in Sachen Schlafen geht derzeit zum Boxspringbett. Von Weitem sieht so ein Ding aus wie die vornehme Version eines zu groß geratenen Sandkastens, bei näherer Betrachtung erkennt man ein luxuriös gestyltes Bett mit gestepptem Kopfteil, integriertem Flutlicht und unzähligen Lagen von Matratzen und Toppern, die an einen Doppel-Whopper erinnern – nur ohne Bacon und Salat. Es gäbe da auch noch die Shades of Grey Ausstattungs-Variante.

Mein einziger und zugleich wichtigster Luxusartikel im Bett ist meine Frau. Und wenn die mal nicht dabei ist, hab ich immer noch mein Lämmelein, Kurzgeschichten von Hemingway und vor dem Na-Bett-Gehen einen guten Rioja – der hat wenigstens Nebenwirkungen!

Na dann, Nacht zusammen!

Ihr Gregor Kelzenberg