Neuste Ausgabe

Open Air mit Flair // Juli – August 2017

Kategorie(n): Interview, Kultur//Reisen

Sommermusik

Bereits zum 11.Mal zaubert die ‚Sommermusik‘ einzigartiges Flair nach Schloss Rheydt. Und auch dieses Jahr treten wir lokale Größen wie die Niederrheinischen Sinfonie oder die Band ‚FUN‘ in einer Reihe mit internationalen Stars und Sternen wie Gregor Meyle oder Alphaville auf. Als weiteres Highlight freut sich die Stadt auf Soul-Sensation Seven, dem die Urbano-Redaktion ein paar interessante Einblicke entlocken konnte.

Das Management des Schweizer Vollblutmusikers Seven hat nichts dem Zufall überlassen und uns zur Vorbereitung des Interviews vorab das Album 4COLORS zukommen lassen, das eigentlich erst am 7. Juli veröffentlicht wird. Als wir den 38-jährigen Künstler darauf ansprechen, freut er sich: „Wow, das wird mein erstes Interview mit jemandem, der das neue Album komplett gehört hat.“ Das Eis war gebrochen – wenn denn überhaupt vorher welches da war. Denn Seven, in seinem Heimatland längst ein Superstar und in Deutschland spätestens seit der VOX-Show ‚Sing meinen Song‘ bekannt, gibt sich von Beginn an gut gelaunt, natürlich und absolut nahbar.

Seven, mit deinem Album 4COLORS hast du ein echtes Konzeptalbum abgeliefert, mit vier verschiedenen Genres und Stimmungen, symbolisiert durch vier verschiedene Farben: Blue ist schmerzhaft und einsam, Yellow steht für Soul und Lebensfreude, Red für Liebe und Leidenschaft – und Purple für Funk in seiner ganzen Pracht. Wie kommt man auf eine solche Idee?
Seven: Ich wollte etwas, das hat nicht geklappt – und dann musste ich eine kreative Lösung finden. Ich hatte auf sehr viele Arten von Musik Lust, die eigentlich nicht unter einen Hut zu bringen sind. Und ich konnte ja nicht vier Alben machen. Also dachte ich mir: Wenn man nicht alles unter einen Hut bekommt, braucht man eben vier Hüte. Dieses Konzept hat mich befreit und mir die Möglichkeit gegeben, mich in jeder ‚Farbe‘ so richtig auszuleben. Ich konnte viermal frisch explodieren. Auch wenn die Produktion eines solchen Albums natürlich viel aufwendiger war, hat es unglaublich viel Spaß gemacht – und mich als Musiker weitergebracht.

Also ist dieses Album für dich ein Hilfsmittel, vier Genres auf einmal unterzubringen?
Seven: Zum ersten Mal hatte ich nicht nur Bock auf eine Sache. Ich hatte Bock auf vier Sachen – aber gleichzeitig. Bisher habe ich mich auf jedem Album auf einen Stil eingeschossen. 4COLORS ist mein zehntes Album. Auf meinem ersten habe ich das gemacht, was ich kann. Ab dem zweiten wollte ich immer etwas Neues kennenlernen und mich weiterentwickeln. Jedes Album von mir war eine Herausforderung für mich und klingt anders, es ist ein Dokument dessen, wie ich mich zu der Zeit gefühlt habe, gewissermaßen wie ein Tagebuch.

Die vier von dir beschriebenen Themenwelten sind sehr unterschiedlich. Wie hast du die Reihenfolge festgelegt? Wir fanden es etwas überraschend, dass es mit dem etwas schwermütigen Teil beginnt.
Seven: Die Reihenfolge stand für mich nie zur Debatte. Mir war immer klar: Wenn mein Album ein Film ist, dann muss es ganz unten anfangen. Nach der eher düsteren ‚blauen Phase‘ geht bei Gelb die Sonne auf. Bei Rot setzt allmählich die Dämmerung ein und die Menschen strömen in die Clubs. Purple zum Schluss ist eine Reminiszenz an Prince und eine Fantasiewelt, die weder Tag noch Nacht kennt – ein echtes Feuerwerk zum Abschluss. In einer anderen Reihenfolge ergibt das Album keinen Sinn.

Dein Durchbruch in Deutschland ist dir ohne Zweifel im Rahmen der VOX-Sendung ‚Sing meinen Song – Das Tauschkonzert‘ gelungen, zuvor warst du eher in der Schweiz bekannt. War dieser Erfolg geplant?
Seven: Du kannst natürlich nicht planen, dass Xavier Naidoo nach einem Konzert in der Schweiz an deine Tür klopft und fragt, ob du bei der Sendung mitmachen willst. Oder dass du ein Jahr zuvor die Fantastischen Vier kennenlernst – sowas findest du in keinem Business-Plan. Mir war schon klar, durch die Sendung an ein großes Publikum zu kommen, das einen noch nicht kennt. Ich wusste aber nicht, ob ich mit meiner wenig mainstreamigen Musik Anklang finden würde. Als ich erfahren habe, dass ich die Songs, die ich von den anderen Künstlern nachsingen darf, selbst arrangieren darf, habe ich zugesagt.

SevenVor allem deine Interpretation von ’99 Luftballons‘ hat im Internet für Furore gesorgt.
Seven: Ich war vor jeder Aufzeichnung total nervös. Es war für mich beruflich die größte Kiste ever. Obwohl ich knapp 40 bin und in der Schweiz zum alten Eisen zähle, war ich in Deutschland ein Newcomer. Das Sendekonzept macht aber alle gleich nervös: Die Situation, in der man sich befindet, kann man nicht proben. Der, der das Lied gemacht hat, das du singst, sitzt direkt vor dir. Und du willst es nicht verhauen. Dass das Ganze am Ende im Fernsehen kommt und dann auch noch Erfolg nach sich zieht, ist in dem Moment sekundär.

Und seitdem macht sich ein Schweizer aus dem kleinen Ort Wohlen auf, Europa musikalisch zu erobern…
Seven: Für uns ist es ganz wichtig, in diesem Jahr so viele Konzerte wie möglich zu spielen. Wir machen das nicht für den schnellen Erfolg. Wir haben insgesamt 80 Termine in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Wir hätten auch einfach drei riesige Konzerte spielen können. Aber wir wollen in die geilen Clubs und coolen Locations und vor 1.000 Leuten spielen. Da macht es richtig Spaß und Laune.

Eine dieser tollen Locations ist ohne Zweifel das Schloss Rheydt, am 25. August machst du mit deiner Band bei der ‚Sommermusik‘ Station. Gibt es irgendeine Verbindung an den Niederrhein?
Seven: Ich könnte mir jetzt eine Lüge ausdenken, dass hier ein alter guter Freund wohnt – aber das lasse ich besser (lacht).

Die Rheydter und Mönchengladbacher freuen sich in jedem Fall darauf, dich kennenzulernen. Man sagt über dich, du bist bei Live-Auftritten eine echte Rampensau…
Seven: Ja, ich bin eine Rampensau. Und es sieht vielleicht so aus, dass ich auf die Bühne springe und das Ding dann reiße. Aber es braucht dazu ganz viel. Du kannst nur was aus dem Ärmel schütteln, wenn was drin ist. Das heißt: Du musst perfekt vorbereitet sein. Man braucht eine Top-Band, und auch ansonsten mache ich mir viele Gedanken, probe viel herum. Ich gehe auch nachts mit dem Lichtmann durch die Hallen und teste. Ich überlasse nichts dem Zufall, das macht mir sehr viel Spaß. Aber zurück zur Sommermusik: Wir freuen uns auf eine tolle Atmosphäre und hoffen auf einen milden Sommerabend – wir sind nämlich eine Schönwetterband (lacht).

 

Das Gespräch führte Michael Lessenich.

INFO //

Open Air mit Flair – Sommermusik Schloss Rheydt | 18. bis 27. August | Schloss Rheydt | MG-Rheydt

Seven
Support: Flo Mega & The Ru cats 25. August | 20.30 Uhr

Alle Termine ‚Sommermusik‘, Tickets & Vorverkaufsstellen www.sommermusik-mg.de