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Cladders‘ Spuren in Mönchengladbach // Oktober 2017

Kategorie(n): Kultur//Reisen

Von der Fassade des BIS-Zentrums schaut ein ernster Mann auf die Passanten hinunter. Derselbe Mann schaut auf den
Eingang des Museums Abteiberg. 1975 wurde das Porträt des Passanten Ernst Hoefel vom Künstler Braco Dimitrijević zur Kunst im öffentlichen Raum gemacht. Damals war das ungewöhnlich und revolutionär. Vor 50 Jahren veränderte der Museumsdirektor Johannes Cladders von Mönchengladbach aus die Kunstwelt. Die aktuelle Ausstellung ‚Von da an‘ des Museums Abteiberg
erinnert an aufsehenerregende Kunstpräsentationen im Alten Museum, dem heutigen BIS-Zentrum.

Natürlich ist ‚Von da an‘ eine Hommage an Johannes Cladders, jenen Museumsdirektor, der berühmte Künstler wie Joseph Beuys, Blinky Palermo, Bernd und Hilla Becher und viele andere zum ersten Mal mit Ausstellungen im Museum präsentierte. Auch Hans Hollein bespielte mit ‚Alles ist Architektur‘ 1970 die Räume. Der Architekt und der Museumsdirektor bauten das heutige Museum Abteiberg, das am 23. Juni 1982 eröffnet wurde. ‚Von da an‘ führt die Besucher in die Jahre 1967 bis 1978 zurück, in der die zeitgenössischen Künstler den Aufbruch in der Gesellschaft aufnahmen und mit ihren Positionen selbst mit anschoben. Es wurde Neues ausprobiert, Altes aufgebrochen und verändert.

Antimuseum hat Cladders diese Form genannt: Das Museum beschränkt sich nicht mehr darauf, Kunst zu präsentieren. Es bezieht die Betrachter mit ein, stellt seine eigene Position und Aufgabe für die Gesellschaft kritisch infrage und öffnet sich nach außen. Das funktioniert noch heute: Die Ausstellung erzählt nicht nur von der Vergangenheit, sondern öffnet den Mönchengladbachern auch die Augen wieder für die Gegenwart und lässt sie die Kunst in ihrer Stadt neu entdecken.

Denn in der kostenlosen Broschüre, die jeder Besucher erhält, finden sich in Cladders‘ Ausstellungschronik viele Künstler, die mit ihren Werken auch im öffentlichen Stadtbild Spuren hinterlassen haben. Allen voran Heinz Mack, der 1974 im Alten Museum seine Arbeiten ausstellte: Im Bunten Garten spiegelt sich das Sonnenlicht in seiner Lichtstele hinter der Kaiser-Friedrich-Halle wider, am Santander-Platz steht eine Stein-Wasser-Glas-Skulptur, auf dem Kapuzinerplatz die große Steinskulptur oder die bunte Plastik vor dem
Krankenhaus Maria Hilf.

Joseph Beuys hat den Gladbachern den Schriftzug ‚Exit‘ auf dem Hauptportal des Gladbacher Münsters hinterlassen. In seiner Zeit als Propst hat Pfarrer Albert Damblon kurz überlegt, die Tür reparieren und so den Schriftzug entfernen zu lassen – sich dann aber dagegen entschieden. Beuys hat 1967 die erste Ausstellung am Bismarckplatz bespielt.

Fast schon unauffällig fügt sich die Fassade der Jugendkirche St. Albertus in ihre Umgebung am Adenauerplatz ein. Sie stammt von Georg Ettl, der 1977 im Alten Museum zu Gast war. Von Ettl ist auch die übergroße Frauenfigur am Fuße des Abteibergs.

Schon Cladders ging mit der Kunst in den öffentlichen Raum: Zu Daniel Burens
Ausstellung ‚Von da an‘, die der aktuellen Ausstellung ihren Namen gab, fuhren blau-weiß gestreifte Busse in Mönchengladbach herum und im damaligen Modehaus Heinemann wies eine blau-weiß gestreifte Vitrine auf die Ausstellung hin

Garnet Manecke

Von da an Räume, Werke, Vergegenwärtigungen des Antimuseums 1967 – 1978
kuratiert von Susanne Titz,
Dr. Susanne Rennert und Olivier Foulon
bis 18. Februar 2018

Altes Museum | Bismarckstraße 97 | MG Museum Abteiberg | Abteistraße 27 | MG
www.museum-abteiberg.de