Manche Ereignisse bewirken einschneidende Veränderungen im Leben und lösen eine andere Denkweise in der Bewertung der wirklich wichtigen Dinge aus. Ich meine damit nicht den
18. Geburtstag, den Tag der bestandenen Führerscheinprüfung, die Abi-Klausuren oder den ersten Kuss (… wobei es schon ziemlich abgefahren war, das erste Mal einen Chupa Chups Crazy Lutscher im Mund zu haben und auf die Brause-Explosion nicht vorbereitet zu sein).

Zwischen dem Erreichen der Volljährigkeit und dem ersten Rentenbescheid kommen noch jede Menge Gänsehautmomente: Für den einen ist es der erste Fallschirmsprung, für den anderen die späte Überreichung des Freischwimmer-Abzeichens. Manche triumphieren auf dem Tennisplatz, andere finden ihr Seelenheil im Yoga oder auf dem Golfplatz. Die Hochzeit und die Geburt der eigenen Kinder (auch in umgekehrter Reihenfolge möglich!) sind zweifellos außerordentliche Meilensteine auf dem Weg durchs Leben. Meine Frau und ich durften im letzten Jahr eine weitere, bewegende Erfahrung machen: das erste Enkelkind.
 
Vieles bekommt eine neue Wertigkeit und lässt einen die Hürden des Alltags aus einer neuen Sichtweise betrachten. Belangloses wird noch unbedeutender und im Vordergrund steht nur noch die Zeit, die man mit dem Enkelchen verbringt. Bei den eigenen Kindern hatte man, im Nachhinein betrachtet, nicht die Zeit und die Muße, die Augenblicke so zu genießen, wie wir es heute können. Die Ausbildung, der Beruf, einer der vielen Umzüge beziehungsweise Wohnungsrenovierungen oder was auch immer lenkte vom Wesentlichen ab. Vieles wurde als selbstverständlich hingenommen und das bewusste Wahrnehmen und Genießen des Momentes verschwand im Mahlwerk des Alltags.
Für die jungen Eltern ist die 24/7 Bereitschaft gewiss eine Herausforderung, die schaffen das schon; haben wir ja schließlich auch geschafft. Ich will jetzt keine Großeltern-Weisheiten raushauen oder Kalauer von vollen Windeln und nächtlichen Autofahrten zum Einschlafen im Maxi-Cosi zitieren. Die Verantwortung zur Erziehung und die Verpflichtung für das Wohlergehen des Babys bleiben vollends bei den Eltern. Es ist nur immer schön, daran teilhaben zu dürfen und mit jedem Lächeln dafür entlohnt zu werden.
Aufgeklärte, junge Mütter sind heutzutage gut informiert und im Netzwerk mit Gleichgesinnten in Foren und Apps untereinander lückenlos vernetzt. Es gibt pränatale Hilfen wie den Geburtscountdown mit Weckfunktion (für Frauen, die die Wehen nicht mitbekommen) und später das Sleepmonitoring für die Wiege mit Klingeldecke. Wer als werdender Großvater einmal ins Babykaufhaus musste, freut sich wieder, an der frischen Luft zu sein. Da lob ich mir doch das strukturierte Sortiment bei Hornbach. Die Auswahl an Kinderwagen, Babymöbeln und Klamotten ist schier unfassbar. Ich stand lange kopfschüttelnd vor den elektrischen
Windeleimern mit automatischem Twistgeruchsverschluss. Später helfen dann sinnvolle Tauschbörsen oder ‚Kleiderkreisel‘ bei der Vermarktung der zu klein gewordenen Strampler, um den täglich gelieferten Päckchen von Amazon oder Zalandinchen Platz zu machen.
Meine jüngsten Kinder hatten ihre Krabbelgruppe auf dem Wohnzimmerteppich und Baby-Wellness fand auf Paps Bauch statt. Das Angebot mag durchaus vielseitiger geworden sein und die Erkenntnisse zum Wohle des Babys mögen fortgeschritten sein. Dennoch schreien Babys, wenn sie Hunger haben und kotzen, wenn es ihnen nicht schmeckt. Ist bei mir heute noch so! 
Ihr
Gregor Kelzenberg