Aufgemöbelt

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Aufgemöbelt

Aus alt mach einzigartig – der Trend des Upcyclings schont die Ressourcen und weckt die individuelle Kreativität.

Ein altes Regal, an dem man sich sattgesehen hat, ein klappriger Stuhl oder eine langweilige Lampe – drei Möbelstücke, die noch vor wenigen Jahren dem Untergang geweiht gewesen wären. Brauchen wir nicht mehr, weg damit, ab auf den Sperrmüll oder direkt in die Tonne. Es hat sich in unserer Wohlstandsgesellschaft eingebürgert, dass wir wegwerfen, was wir nicht mehr brauchen. Wir sind bequem geworden und auch dekadent. Es geht uns gut. Zu gut.

Wie schön, wie erfrischend ist da die Gegenbewegung des Up-
cyclings, die sich in den vergangenen Jahren immer weiter ausbreitet. Das ‚Up‘ steht für Auf-werten und das ‚Cycling‘ stammt aus dem Wort Re-cycling für Wiederverwerten – und genau darum geht es: Scheinbar Nutzloses wird in ein wieder wertvolles Produkt
umgewandelt. Entweder, man möbelt es buchstäblich mit einem neuen Anstrich auf und gibt dem einst so ungeliebten Teil ein neues Gesicht, oder man wandelt Abfälle gleich in neuwertige
Produkte um.

Aus Europaletten werden Strandkörbe oder Couchgarnituren und aus einem Nähmaschinentisch ein Waschbeckenunterschrank. Das sieht gut aus und ist vor allem nachhaltig. Es müssen weniger Dinge neu produziert werden, was die knapper werdenden Ressourcen schont. Und es macht auch noch Spaß. Denn Up-
cycling ist längst nicht nur etwas für die Designer oder Künstler, die im Folgenden vorgestellt werden, sondern auch für Hobby-
Bastler. Man holt sich konkrete Anleitungen auf Do-it-Yourself-Websites, wie man aus einer Vinyl-Schallplatte einen Bierdeckel macht, man sammelt Inspirationen auf Pinterest.
Man stöbert bei Garagenverkäufen und Hausauflösungen, schaut in Gebrauchtmöbel-Hallen vorbei, schnappt sich was vom Sperrmüll und besucht regelmäßig ebay-Kleinanzeigen, wo manchmal komplette Wohnzimmerschränke gegen einen Kasten Bier abgegeben werden. Und dann geht es daheim los, mit Schleifpapier und Farbe, aus alt mach einzigartig.

Von der Palette zum Möbelstück

Muhlis Sarac könnte man als Tausendsassa bezeichnen, er selbst nennt sich auf seiner Website ‚Der Universalist‘. Eigentlich hat er mal Hotel- und Restaurantfachmann gelernt und später unter anderem als Kochdozent gearbeitet. Mittlerweile entwirft er mit seinem Unternehmen ‚Raumstark‘ in Mönchengladbach unter anderem Gesamtkonzepte für Küchen oder aber individuelle Detail-
lösungen für Wohnräume – mit Farbe, Accessoires oder natürlich besonderen Möbelstücken. Bei Letzteren greift er gern auf besonders designte Palettenmöbel zurück. Beispiele für seine Arbeiten finden sich auf Pinterest unter dem Suchwort ‚Tutti Paletti‘.

www.raumstark.de

Suchen, Restaurieren und Verkaufen

Helena und Niklas unterteilen ihre Arbeit in die drei Bereiche Suchen, Restaurieren und Verkaufen. Die beiden Viersener führen ein kleines, aber feines Unternehmen mit dem eigentümlichen Namen ‚All about Werkzeugwagen‘. Das Upcyclen von am Ende sehr schön restaurierten Möbelstücken beginnt für die beiden auf Floh- und Antikmärkten, bei Garagenverkäufen und Wohnungsauflösungen. Die dort gefundenen Schätze werden dann in der eigenen Werkstatt liebevoll restauriert: Der Verkauf findet über die Website statt, die Geschichte der einzelnen Möbelstücke wird detailliert und liebevoll erzählt. Für einen Besuch im Showroom macht man vorher am besten einen Besichtigungstermin aus.

www.allaboutwerkzeugwagen.de

Reparieren statt wegwerfen

Einen klapprigen alten Stuhl zu Hause, aber kein handwerkliches Geschick? Willkommen beim Repair Café, einer wunderbaren Initiative im Mehrgenerationenhaus in Rheydt. Ehrenamtliche Experten schauen gern über die Schulter (und legen auf Wunsch auch Hand an), wenn alte Gegenstände eben nicht einfach weggeworfen werden, sondern ihnen neues Leben eingehaucht wird. Egal ob Elektrogeräte, Kleidungsstücke, Fahrräder oder Laptops – es gibt kaum etwas, was hier nicht repariert wird. Der Besuch des Cafés, das an jedem zweiten Sonntag im Monat zwischen 12 und
16 Uhr stattfindet (im Wechsel mit dem zweiten Standort Krefeld)
ist kostenlos, Spenden sind aber willkommen. Man kann auch gern einfach auf Kaffee und Kuchen vorbeikommen, quatschen und staunen, wie viel schöner es ist, Dingen eine zweite Chance zu geben.

www.repaircafe.org

Design trifft Nachhaltigkeit

Manche Gebrauchsgegenstände, die eigentlich der Schrottpresse geweiht sind, machen in ihrem zweiten Leben sogar als Designstück große Karriere: Alte Feuerwehrschläuche werden zu chicen Taschen verarbeitet, aus Fahrradschläuchen werden Brillenetuis und aus einem Stück Einwegpalette, etwas Glas und einem Fahrradschlauch wird eine stylishe Blumenvase. Die Dinge, die beispielsweise bei ‚Groegl Upcycling‘ in Kempen entstehen, gehen schon in Richtung Kunst und über das hinaus, was man sich in Do-it-yourself-Manier an der Werkbank zimmern kann.

www.gregorhalberstadt.de

Pimp your Möbelstück

Nicht weniger als Möbel mit Geschichte, Charakter und Seele verspricht die Vintage Klinik aus dem Düsseldorfer Stadtteil Flingern. Dabei geht das Team ungezwungen mit dem Thema Upcycling um: Denn auf der einen Seite kann man Stücke aus der kleinen Möbelkollektion des Unternehmens kaufen, unter anderem Möbel aus der Gründerzeit oder 100 Jahre alte Küchenschränke. Auf der anderen Seite aber auch sein eigenes, vielleicht leicht heruntergerocktes, Möbelstück abgeben und es nach Wunsch gestalten lassen.

www.vintage-klinik.de

Preiswürdiges Recycling

Manchmal kann man mit Rohstoffen, die für andere Leute auf den Sperrmüll gehören, Preise gewinnen. Vor zwei Jahren beispielsweise hat Masterstudent Michael Wolf von der Hochschule Niederrhein bei der internationalen Textilmesse ‚Heimtextil‘ in Frankfurt den Nachwuchspreis gewonnen. Seine Designarbeit ‚Inemuri hitotsu‘ wurde in der Kategorie ‚Upcycling-Objekte‘ mit einem mit 2.500 Euro dotierten Preis ausgezeichnet. Entstanden ist ein asiatisches Sitzmöbel, dessen Stoffe aus wiederverwertetem Garn gewebt sind und dessen Füllung zu 100 Prozent aus aufbereiteten
Textilresten besteht.

mle

2019-01-31T10:18:21+00:0031. Januar 2019|