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Wo Riester an seine Grenzen stößt

Kategorie(n): Wirtschaft

Sascha Wortmann

Auch das Geschäft der Versicherungsmakler verändert sich immer mehr. Ging es vor 20 Jahren noch rein um die Absicherung unübersehbarer finanzieller Risiken bei Schäden, werden ­Versicherungsfachleute heute verstärkt mit Fragen zum Finanzmanagement konfrontiert. Versicherungsfachwirt Sascha Wortmann (42), Mitinhaber der Wortmann Assekuranzmakler GbR, erklärt, wie sich die Beratung verändert hat und worauf Kunden achten sollten.

Wie kommt ein Versicherungsfachmann dazu, sich mit Finanzmanagement zu beschäftigen?

Wortmann: Die Fragestellungen der Kunden haben sich verändert. Unsere Kunden müssen sich über die private Absicherung ihrer Altersbezüge Gedanken machen, was vor 16 Jahren, als ich in dem Geschäft angefangen habe, noch nicht so der Fall war. Wer eine Familie hatte, schloss oft eine Kapital-Lebensversicherung ab und hatte später durch die Ablaufleistung einen Betrag zur Altersvorsorge. Die klassische Lebensversicherung rückt aber immer mehr in den Hintergrund, da die Überschussbeteiligungen immer weiter sinken und auch nicht garantiert werden können. Das führte besonders in der letzten Finanzmarktkrise dazu, dass deutlich weniger ausgezahlt wurde, als bei Abschluss der Verträge erwartet. Wir müssen heute unseren Kunden sinnvolle Alternativen zur Vorsorge aufzeigen.

Sind da Verträge zur sogenannten Riester-Rente für Angestellte und dem Pendant für Selbstständige, der Rürup-Rente, nicht die Lösung?

Wortmann: Solche Verträge sind nicht immer ideal, weil man die Kostenstruktur dieser Produkte genau unter die Lupe nehmen sollte. Manchmal rechnet sich der Steuervorteil nicht, da von der kalkulierten Rendite teilweise bis zu 50% von den Kosten verschlungen werden. Hier sind wir mit einem neutralen Blick gefragt und sollten unseren Kunden aus dem Versicherungsdschungel herausführen. Als Alternative hierzu gibt es in Teilbereichen sogenannte Nettoprodukte, wo die gesamte Kostenstruktur offengelegt wird und der Kunde genau erkennen kann, was am Ende für ihn herauskommen kann.

Wie können Sie als Versicherungsexperte helfen?

Wortmann: Indem ich mit dem Kunden gemeinsam Alternativen erarbeite. Er muss für sich erkennen, was er letztendlich will. Wir können nur die Vorgaben des Kunden in Zahlen umsetzen und diese so transparent wie möglich darstellen. Zum Beispiel gibt es fondsgebundene Produkte, bei denen alle Kosten übersichtlich dargestellt werden und der Kunde genau erkennen kann, was für ihn am sinnvollsten erscheint. Wir stellen hier drei Anlagemöglichkeiten gegenüber. Oberste Priorität ist der Gelderhalt der Anlage.

Sollte eine Geldanlage, die der Altersvorsorge dient, nicht mindestens 25 Jahre laufen?

Wortmann: Niemand weiß, wie seine Lebensumstände in fünf, zehn oder gar 15 Jahren sind. Wir haben uns mittlerweile auf Fünf-Jahresschritte eingestellt. Ob es um Geldanlagen oder den Versicherungsschutz geht: Die Kunden sollten alle fünf Jahre mit ihrem Berater sprechen und überprüfen, ob ihre Anlagen und Versicherungsschutz noch passen. Damit der Kunde hier kompetente Entscheidungen treffen kann, muss er aber die Alternativen kennen.

Das Gespräch führte Garnet Manecke.

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