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‚Die gute Form‘ – Junge Kreative aus Mönchengladbach

Kategorie(n): Schöner Wohnen

Fragen wir kleine Kinder, was sie einmal werden wollen, bekommen wir fast immer die gleiche Antwort. Es sind Feuerwehrmann, Tierärztin, Prinzessin, Superman und Baggerfahrer, die den Helden in Kindern wecken. Bauen diese Kinder dann im Kindergarten tagein, tagaus Höhlen und Baumhäuser und drücken sich auf dem Nachhauseweg ihre Nasen an Bauzäunen platt, liegt die Vermutung nahe, dass hier kleine Handwerker heranwachsen.

Für 26 junge Leute aus Mönchengladbach hat sich in diesen Tagen nach einer 3-jährigen Ausbildung im Tischlerhandwerk dieser Berufswunsch erfüllt. Zum krönenden Abschluss präsentierten die frisch gebackenen Gesellen ihre selbst entworfenen und konstruierten Möbelstücke für alle Interessierten in der Halle der Stadtsparkasse Mönchengladbach.

Hier wurde nicht nur der Lehrlingsbeste, Simon Weyers, geehrt, ein zusätzlicher Höhepunkt war die Preisvergabe für ‚Die gute Form‘ mit der exzellent gestaltete Gesellenstücke ausgezeichnet werden. Dieser Wettbewerb soll die jungen, angehenden Tischlerinnen und Tischler anregen, sich ernsthaft mit zeitgemäßer Formgebung und Gestaltung auseinanderzusetzen.

Wenn ein besonderes Möbelstück unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt, gibt es dafür meist mehrere Gründe. Voraussetzung sind der Einsatz hochwertiger Materialien und eine handwerklich gute Verarbeitung. Aber wirklichen Gefallen finden wir erst, wenn die Idee und die darauf bezogene eindeutige Form, die Funktionsweise, Farb- und Materialauswahl sowie die Stimmigkeit der Proportionen zu einem guten Design führen. Und ich muss wirklich sagen, mit gestalterischer Kreativität ist es den jungen Gesellinnen und Gesellen sehr individuell gelungen, diesem Anspruch gerecht zu werden. So war es auch für die unabhängige Jury, die durch die Tischlerinnung berufen wurde, nicht ganz leicht, ihre Entscheidungen zu treffen.

Einigkeit herrschte jedoch bei der Wahl des Erstplatzierten:
Christian Schesing präsentierte einen Lounge-Tisch in Apfel und Lack. Die Idee entstand aus Platzmangel in der eigenen Wohnung, wobei funktionsgerecht zwei Hocker integriert wurden. Dieses Möbelstück besticht durch seinen anspruchsvollen, stimmigen Gesamtauftritt. Die junge lebhafte Maserung des Apfelbaums erhält durch den weißen Rahmen einen edlen Auftritt. Selbst der Verlauf der Maserung orientiert sich an der gesamten Formensprache. Runde Außenkanten entschärfen die harten Innenkanten, es entsteht eine leicht organische Wirkung, die den Blick fesselt. Das Möbel spiegelt ein gutes Gespür für Proportionen wider.

Herr Schesing verriet uns, dass er sich dafür bei der Planung eines computeranimierten Zeichenprogramms bediente und die Möglichkeit nutzen konnte, das Werkstück nach einer dreidimensionalen Ansicht zu beurteilen. Auch die Farb- und Materialauswahl ist fließend. Das Holz wärmt das kühle Weiß und das graue Alcantara der Sitze versprüht Behaglichkeit. Dieser Couchtisch ist perfekt in seiner Funktion, auf ein Minimum reduziert und überrascht dennoch mit Details wie den Schüben unter dem Sitz für Zeitungen oder Laptop.

Auch Platz 2 überzeugte mit einer innovativen Idee:
Stephanie Zorn wählte einen ausziehbaren Esstisch in Walnuss und Lack. Dieser Tisch ist, angepasst an die Lebenssituationen junger Leute, wandelbar.

Der Tisch bekommt durch die Wahl der phantasievollen Ornamente eine feminine Note, die durch die kleinen Holzräder noch unterstrichen wird. Interessant sind die sichtbaren, markanten Beschläge auf der Tischplatte, die dem Möbel das entsprechende Selbstbewusstsein verleihen. Auch hier harmonieren die Idee, Ausführung, Größenverhältnisse und Farbwahl optimal miteinander.

Dass die hier ausgestellten Gesellenstücke nicht aus der Werkstatt von Meister Eder und seinem Pumuckl kommen, ist schnell klar. Sie alle sind Unikate, haben einen modernen, kreativen Charakter und zeigen handwerkliches Geschick. So verwundert es auch nicht, dass der Beruf des Tischlers, nach wie vor oder gerade deshalb einer der beliebtesten im Handwerk ist.
Mit den besten Wünschen und einem Blick für ‚Die gute Form‘ verbleibe ich

Katrin Hoppen

 

Ihre
Katrin Hoppen