Neuste Ausgabe

Jean Jacques im Liedberger Landgasthaus

Kategorie(n): Restaurant Test

Zunächst einmal darf ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist: Olgé – der andere Jean Jacques. Vor Kurzem rief mich mein kulinarischer Freund Jean Jacques I an. Er erzählte mir, dass er von einer Runde Kochbuchautoren und Gastro-Journalisten zu einer Reise in ferne Länder eingeladen wurde. Für ihn eine tolle Möglichkeit, neue Genusskulturen zu erleben und im Urbano interessante Berichte servieren zu können.

So bat er mich, an seiner Stelle für die Leser dieses Magazins Gutes aus Küche und Keller zu finden und zu testen.

Wir Kenner reden ja immer von ‚ehrlichen Speisen‘, ‚ehrlichen Weinen‘ etc. Kein Wunder, dass ein Zeitungsartikel mit der Überschrift „Ehrlich wie ein Butterbrot…“ meine Aufmerksamkeit auf sich zog und meine Neugierde weckte. Dieser Aussage musste ich auf den Grund gehen und die Recherche führte mich in das Liedberger Landgasthaus zu Familie Schmidt, die erst kürzlich ein eigenes Kochbuch mit dem erwähnten Slogan kreiert hatten.

Meine Begleitung und ich wurden persönlich empfangen und fühlten uns bei dem Anblick von warmen Holztönen und gemütlichem Kerzenschein gleich wohl.

Bei prasselndem Regen nahmen wir an einem gemütlichen Ecktisch unter dem großen Glasdach Platz. Nachdem uns die Speisekarte gereicht wurde, die auf den ersten Blick mit jedem Gericht wie für uns gemacht war, konnten wir der Versuchung eines Aperitifs nicht widerstehen. Die Empfehlung: ein kühles Glas Sekt mit einem Spritzer hausgemachtem Holunderlikör… köstlich!

Ein toller Einstieg – doch das Schwierigste stand uns noch bevor: die Wahl der Speisen. Schon beim Lesen der Karte lief uns das Wasser im Mund zusammen. Nach einiger Überlegung konnten wir uns entscheiden: für meine Begleitung etwas Mediterranes, für mich saisonale Küche. Hieß: einmal den getrüffelten, gebratenen Mozzarella auf Tomaten-Basilikumsalat. Ein Genuss für den Gaumen mit einem leicht zitronigen Abgang. Ebenso köstlich war auch mein Feldsalat mit Speckdressing und Croutons mit geräucherter Entenbrust. Nicht zu vergessen die zarten Schnittlauchwürfel (brunoise) – es glich einer dem anderen. Das nenne ich Perfektion.

Apropos perfekt: Nicht nur die Speisen hier in Liedberg waren ein Vergnügen, auch das Preis-Leistungs-Verhältnis war in Anbetracht der hervorragenden Qualität und fantastischer Zubereitung mehr als angemessen.

Mittlerweile war das ‚Gasthaus‘ für einen Mittwochabend gut besucht. Ich erfuhr vom Nachbartisch auch warum: An diesem Tag feierte die neue Speisekarte Premiere. Folglich war die Neugier der Stammkunden groß. Ungefähr so, wenn Frauen zum Preview-Shoppen eingeladen werden, damit sie bloß als Erste die neue Kollektion der Marke ihres Vertrauens tragen können.

Doch kommen wir wieder zum eigentlichen Thema: Gutes aus Küche und Keller. Auch die Wahl unserer Hauptspeisen stand fest. Einmal den irischen Lamm­rücken mit grünen Bohnen, Kirschtomaten und cremiger Thymianpolenta. Serviert  auf einem stylischen ovalen Teller, sehr fein anzusehen, mit frischem Thymian aus dem eigenen Kräutergarten. Das Lamm zart rosa, so wie es sein muss, angerichtet auf der Polenta. Ich bin eigentlich kein ­Polenta-Fan, aber meine Begleitung meinte, die müsste ich probieren: Ja – sie war richtig gut!

Dann war ich am Zug: Medaillons vom Hirschfilet auf gebratenem Semmelknödel mit Rosenkohl und – jetzt kommt’s – mit kalt gerührten Preiselbeeren. Treffer, bei diesem Anblick wird jedem Kritiker warm ums Herz! Übrigens, das Rezept findet man auch in dem hauseigenen Kochbuch, das ja wie erwähnt Initialzündung für  den Besuch war. Die Filets perfekt zart rosa gebraten, angerichtet auf kleinen Scheiben von Semmelknödel, umrandet von dem geviertelten Rosenkohl und ebenso schön auf dem Teller arrangiert wie das Gericht meiner Begleiterin.

„Wenn es jetzt noch so schmeckt wie es aussieht, bin ich mit der Wahl des ‚Gasthauses‘ heute Abend der Held!“ Denn wenn ‚Sie‘ dann auf einmal ganz still wird und sich nicht mehr mit ihrer unmittelbaren Umgebung beschäftigt, hat die Küche alles richtig gemacht. Ich glaube, ich hätte unbemerkt den Tisch verlassen können…

Auch die erlesene Auswahl guter Weine soll nicht unerwähnt bleiben: Zum Hauptgang wurde uns ein Frühburgunder Selektion B aus dem Hause Brogsitter von der Ahr serviert und für meine charmante Begleitung ein Crianza D.O./ Rioja/ Conde de Valdemar.

Dann wurde es noch einmal ernst, denn wenn zum Abschluss das Dessert nicht stimmt, habe ich hinterher die Diskussion auf der Heimfahrt! So schlimm sollte es nicht werden. Nicht bei diesem weiteren Höhepunkt: Krosse Apfelscheiben in Tempurateig mit Sorbet von Liedberger Äpfeln und Calvadosbutterkaramell – einfach schön anzusehen und lecker!

Tja, es bedarf wohl keiner weiteren Erklärungen, warum das Liedberger Landgasthaus für kulinarische Liebhaber einen Besuch wert ist!

Ihr LeckerSchmecker
Jean Jacques

Liedberger Landgasthaus
Landstraße 19 // Liedberg
Fon 02166.87294
www.llgh.de

Öffnungszeiten
Di – So ab 11 Uhr // Mo Ruhetag