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Vorreiter bei der Integration

Kategorie(n): Wirtschaft

Wenn Ricarda Tourney daran denkt, wie sie ihren Arbeitsvertrag unterschrieben hat, legt sich ein Strahlen über ihr Gesicht. „Das war ein tolles Gefühl“, sagt die 19-Jährige mit glänzenden Augen. „Das eigene Geld zu verdienen und einen Job zu haben.“ Seit 1. August gehört Ricarda Tourney fest zum Team der Return Clubs. Sie macht die Aufgüsse im Dampfbad, am liebsten den mit dem Duft von Orangen. Für die Gäste bereitet sie Getränke und kleine Speisen zu, achtet auf die Sauberkeit in der Küche. „Ich fühle mich total wohl“, sagt sie. Ihre Lernbehinderung merkt man der jungen Frau beim Gespräch nicht an.

Ricarda Tourney ist eine von insgesamt 20 Mitarbeitern mit Behinderung, die bei der Return Freizeit GmbH eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden haben. Damit ist das Mönchengladbacher Sport & Wellness Unternehmen das erste der Branche und mit der evangelischen Stiftung Hephata eines der größten von sieben Integrationsunternehmen in Mönchengladbach. Um Integrationsunternehmen zu werden, müssen mindestens 25 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze mit Mitarbeitern besetzt werden, die eine körperliche, geistige oder psychische Behinderung haben.

Im November 2010 hat die Return Freizeit GmbH ihre Integrationsabteilung eingerichtet. „Wir hatten schon längere Zeit eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Hephata Werkstätten und sind darüber ins Gespräch gekommen“, erzählt Natalie Kratzki. Die 40-Jährige absolviert eine Zusatzausbildung zur Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung, die sie im Juni 2012 abschließen wird. „Die Mitarbeiter haben einen erhöhten Betreuungsbedarf“, sagt die Personalleiterin. Deshalb sind besondere Kenntnisse in Bereichen wie Psychologie, Psychiatrie, Pädagogik oder Gesundheitsförderung und -pflege erforderlich. Im Berufskolleg ist die 40-Jährige die erste, die diese Ausbildung für die Arbeit in einem privatwirtschaftlichen Integrationsunternehmen macht.

Um als staatlich anerkanntes Integrationsunternehmen zu gelten, musste das Unternehmen ein Konzept entwickeln und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) präsentieren. „Nachdem das bewilligt wurde, haben wir im Oktober mit den ersten Trainingsmaßnahmen für die neuen Mitarbeiter im Saunapark in Brüggen begonnen“, sagt Natalie Kratzki. Sie werden bei der Pflege der Grünanlagen, im Reinigungsdienst oder im Service eingesetzt.

In der Führung von Mitarbeitern mit Behinderungen sind einige Besonderheiten zu beachten. „Zum Beispiel können viele nicht richtig lesen“, hat die Personalverantwortliche festgestellt. „Deshalb arbeiten wir im Reinigungsdienst verstärkt mit eindeutigen Bildern, die genau zeigen, was wann und mit welchem Reinigungsmittel geputzt werden muss.“ Auch Ängste müssen abgebaut werden. Denn viele der Mitarbeiter kennen nur die behütete Atmosphäre einer Behindertenwerkstatt. „Der erste Arbeitsmarkt stellt andere Anforderungen an sie“, weiß Kratzki. „Deshalb machen alle Bewerber zuerst ein Praktikum, um zu testen, ob sie zurechtkommen.“ Ein Mitarbeiter im Fahrdienst brauchte im ersten halben Jahr seiner Beschäftigung die Sicherheit, dass er jederzeit wieder in die Werkstatt zurück kann. Heute kann er sich die Arbeit in der Werkstatt nicht mehr vorstellen.

Die intensive Vorbereitung und Betreuung lohnt sich, finden Utto Reugels, Inhaber der Return Freizeit GmbH, und deren Clubleiter. „Wenn man sieht, mit wie viel Motivation und Freude die Mitarbeiter ihre Aufgaben erfüllen, geht einem das Herz auf“, sagt der Unternehmer. Ricarda Tourney ist ein gutes Beispiel dafür. Zur heißen Schokolade, die sie gerade für einen Gast zubereitet hat, schenkt sie ihm ein strahlendes Lächeln. „Es macht einfach sehr viel Spaß“, sagt die 19-jährige. Es ist ihr anzusehen.

 

Garnet Manecke