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Auf der Spur der Kultur

Kategorie(n): Kultur//Reisen

Eine Schere am Kopf zu haben, ist nicht weiter besorgniserregend, wenn das Schneidwerkzeug in den Händen eines kundigen Frisörs liegt. Eine Schere im Kopf zu haben, ist dagegen nicht so erstrebenswert – das gilt auch, wenn die Schere statt aus Edelstahl aus Vorurteilen und eingefahrenen Gewohnheiten besteht. „Das geht gar nicht“, sagt Michaele Messmann, Leiterin des Amtes für Schulen, Kindertagesstätten, Kultur und Sport sowie des Stadtarchivs von Korschenbroich. Wer ein spannendes und abwechslungsreiches Kulturprogramm schaffen will, der müsse unvoreingenommen an alles heran gehen und bereit sein, Neues auszuprobieren, sagt Messmann. Das reale Raumangebot und die Grenzen des Budgets erweisen sich nachher oft genug als Klippe, an der die Idee zerschellt.

Kultursalon KorschenbroichEine Idee, die es geschafft hat, ist der Kultursalon Korschenbroich. „Bei der Planung zu den Veranstaltungen habe ich die größtmögliche Freiheit“, sagt Michaele Messmann. Von Philosophie über Politik bis hin zu Geschichte, Kunst und Musik reicht das Repertoire, aus dem Messmann und der Freundeskreis für Kunst und Kultur, der Mitveranstalter ist, schöpfen können. Vergangenen Monat ging es um Lieder, Klavierstücke und Texte von Komponistinnen; im März beschäftigt sich der Kultursalon mit den Geheimnissen in den Gemälden alter Meister. „Und im Juni hält ein Psychologe einen Vortrag über die Verrückten in Shakespeares‘ Stücken“, zählt die Kulturbeauftragte die Spannbreite der Themen auf.

 

Im World-Café dürfen alle mitreden
Der Kultursalon ist ein Beweis gegen das gängige Vorurteil, das Korschenbroich oft allein auf die Pflege des Brauchtums reduziert. „Es gibt hier ein breites Publikum, das sich für intellektuelle Themen interessiert und gerne diskutiert“, sagt die Kulturbeauftragte. „Brauchtum und Kultur können hier gut miteinander existieren.“

World-Café

Intellektuell muss das Programm für die Jugendlichen nicht sein. Aber auch die 14- bis 21-Jährigen mussten ihre Hirnwindungen arbeiten lassen, um ein auf sie zugeschnittenes Programm auf die Beine zu bringen. „Bei einem World-Café haben wir festgestellt, dass wir für die Jugendlichen gar kein Angebot haben – mit Ausnahme des Rockmarathons“, erzählt Michaele Messmann. Das World-Café ist eine Methode zum kreativen Denken, bei der jeder mitreden kann. „Wir haben dazu die Korschenbroicher eingeladen und 70 Bürger, Politiker, Vereinsvertreter und Künstler sind gekommen“, berichtet Messmann.

Messmann hat die Teilnehmer an drei mit Papier-Tischdecken eingedeckten Tischen Platz nehmen lassen. Für drei Fragen zur Gestaltung des Kulturlebens sollten die Teilnehmer an jedem Tisch Lösungsvorschläge für je eine Frage erdenken. „Die Gedanken und Ansätze wurden direkt auf die Tischdecke geschrieben“, erklärt die 53-Jährige. „Nach einiger Zeit wechselten die Teilnehmer die Plätze, nur einer blieb sitzen. Der erklärte den Neuen, was bisher erarbeitet wurde und die haben das dann weiterentwickelt.“ Für Jugendliche hat Messmann nochmals ein eigenes World-Café organisiert.

Kunst auf dem Friedhof
Die Ideen, die am Ende die Tischdecken zierten, haben das Kulturleben in Korschenbroich verändert. Ein Graffiti-Workshop und die Comedy Stage sind Ergebnisse des Jugend-World-Cafés. Das große World-Café brachte die Künstlergruppe KiK (Künstler in Korschenbroich) hervor, die in Glehn eine eigene Galerie eröffnete und ihre Werke auch gerne auf dem extra dafür illuminierten Friedhof präsentiert. „Wir wollen nicht nur Kultur anbieten, sondern auch ermöglichen und fördern“, fasst Michaele Messmann die Ziele ihres Teams zusammen.

So entsteht ein vielseitiges Programm mit Kindertheater, politischem Kabarett nam-hafter Künstler wie Thomas Freitag und Wilfried Schmickler, oder das Jazzcafé. Aber auch traditionelle Reihen werden fortgeführt. Der Lockruf der Orgel von St. Andreas ist so laut, dass er auch in Russland und China vernommen wird. „Seit 34 Jahren gibt es schon die Internationale Orgelwoche bei uns“, berichtet Messmann. Initiiert hat das Festival der künstlerische Leiter Henning Dembski. Parallel zur Orgelwoche findet ein Orgelwettbewerb statt. Auf die zwölf Teilnehmer-Plätze kommen oft mehr als doppelt so viele Bewerbungen junger Künstler rund um den Globus, die in Korschenbroich am Niederrhein der Musikwelt ihr Können beweisen wollen. Garnet Manecke

Veranstaltungskalender // www.korschenbroich.de
Kultursalon // www.freundeskreis-kunst-kultur.de