Neuste Ausgabe

Palace St. George

Kategorie(n): Restaurant Test

Liebe Leserinnen und Leser, sehr geehrte Besser-Esser und Genuss-Trinker.

Ich freue mich sehr, dass ich heute bei der ersten Ausgabe des Urbano Magazins eine der kulinarischen Top Adressen unserer Stadt als LeckerSchmecker Report einbringen darf.
Es ist nass, kalt und dunkel. Das Wetter ist richtig ungemütlich. Unsere Stimmung braucht jetzt einen Kick.
Nein, keinen Marathonlauf oder ein Workout bis zum Umfallen. Etwas für den Gaumen, einen Ort an dem die angebotenen Speisen sinnlichen Genuss bereiten. Das bringt eine andere Art von Glücksgefühlen hervor, die durchaus lange anhalten können.
Weg von der Alltäglichkeit, es soll etwas Besonderes sein. So steuern wir in den Nordpark zum Palace St. George, dessen guter Ruf über die Stadtgrenzen hinaus reicht. Ja, hier bekommt man bereits bei der Anfahrt ein gutes Gefühl. Das Gebäude selbst ist schon eine Besonderheit. Erfreulich sind auch die Parkmöglichkeiten am Haus.

Die Einrichtung hellt an einem typischen Wintertag die Stimmung sofort auf. Bunt, klassisch, modern und mit Exklusivität versehen – ich fühle mich tatsächlich wie in einer anderen Welt. Na ja, sagen wir besser, wie in einer anderen Stadt. Irgendwie großstädtisch. Berlin, Hamburg oder Barcelona.

Wir werden freundlich im Bistro empfangen. Nachdem unsere Garderobe entgegen genommen wurde, führt uns eine junge Dame zu einem freien Tisch. Kurz danach überreicht sie uns die Karte für Speisen und Getränke. Das geschieht sehr verbindlich und höflich.

Wir eröffnen unseren Abend mit einem Sherry Medium für meine Frau und einem Darjeeling für mich. Die Teeblätter werden frisch aufgebrüht ordentlich serviert. Auf Nachfrage wird mir bestätigt, dass es sich hierbei um einen First Flush handelt. Die Teetrinker unter Ihnen wissen, was das bedeutet. (Anmerkung der Redaktion: Schwarzer Tee bester Qualität. First Flush entspricht der ersten Pflückung nach dem Winter und wird nur von Ende Februar bis April geerntet.)

Die Speisenkarte im Bistro liest sich verheißungsvoll und ist sehr abwechslungsreich in der Zusammenstellung. Saisonale Küche gepaart mit pfiffigen Zutaten und außergewöhnlichen Kombinationen. Blutwurstravioli auf Sauerkraut – hm, da läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Wir sind uns schnell einig und teilen uns den gemischten Vorspeisenteller des Hauses. Mit Spannung erwarten wir die Präsentation.

In der Zwischenzeit beschäftigen wir uns mit der kleinen Bistro-Weinkarte. Hier gewinne ich den Eindruck, dass unter anderem die vierzehn offenen Weine mit Bedacht ausgewählt wurden, um wirklich für jeden Geschmack etwas anbieten zu können. Für meine Begleitung soll es der feinherbe Riesling von der Nahe sein.
Ich entscheide mich für den Rotwein aus der Pfalz vom Weingut Philipp Kuhn: ein Dornfelder/Merlot aus 2008.

Die Vorspeise wird in dem Augenblick serviert, als wir uns zuprosten.
Das ist ein gemischter Vorspeisenteller nach meinem Geschmack.
Ein Stück rosa gebratene Kalbsleber mit gerösteten Zwiebeln, ein knuspriger Rösti mit gebeiztem Lachs an feinem Meerrettichschaum.
Eine geschälte große und feste Gamba mit einem fein abgeschmeckten Mango Chutney, das durch die mit Ingwer und Chili angereicherte fruchtige Schärfe den exotischen Teil der Vorspeise ausmacht.
Auf einem bissfesten Waldorfsalat thront das auf den Punkt gegarte Roastbeef als rosa Rose arrangiert.
Die mit knuspriger Panade umhüllten Miesmuscheln an einer leichten Knoblauchsauce erinnern mich an Urlaube in den Niederlanden.

Wir freuen uns über den freundlichen geschulten Service. Hier bekommen wir die nötige Portion Aufmerksamkeit und die Hauptgänge werden nach einer fünfzehn minütigen Plauderpause gekonnt serviert.

Der Fischteller Palace St. George ist eine Kreation aus Edelfischen und einer Gamba auf Hummernudeln.
Die auf der Pasta arrangierten Stücke von den Edelfischen, wie zum Beispiel der auf der Haut gebratene Zander,
sind kurz und kräftig angebraten. Sie lassen sich mit der Gabel aufspießen, ohne dass sie dabei zerfallen.
Für mich eine Punktlandung. Allerdings ist mir die Hummersauce nicht ausgeprägt genug, sie könnte etwas mehr Kraft entfalten. Die Pasta hingegen ist schön al dente gekocht und sehr reichhaltig vorgelegt.

Meine Trilogie vom Weideochsen ist eine gelungene Überraschung auf dem Teller. Die Bratenscheibe aus dem Bäckchen sitzt auf einem Selleriepüree, das Steak – das natürlich Miniatur ausfällt – ist auf gut gebuttertem Kartoffelpüree angerichtet. Die eigentliche Überraschung, die Praline vom Ochsenschwanz, wird gehalten von einem Erbsenpüree. Hier erkennt man die gute handwerkliche Verarbeitung frischer Produkte.
Man merkt wie viel Arbeit dahinter steckt – umso mehr macht das Essen Spaß.

Mit der Nachspeise halten wir es wie mit der Vorspeise, wir teilen uns die Dessertvariation vom Kaffee.
Serviert werden Parfait vom Latte Macchiato, Gelee vom Café Crème, Mousse vom Café au Lait und ein Espresso-Törtchen. Eine gelungene Mischung aus den zurzeit beliebtesten und meist verzehrten Kaffeevarianten sorgt für Geschmacksexplosionen. Von zart-süß bis bitter-cremig ist alles fürs Gemüt dabei.

Zum Schluss noch ein echter Espresso und wir sagen danke für das geschmackvolle Mahl.
Ihr Lecker Schmecker Jean Jacques