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DARF‘S EIN BISSCHEN WENIGER SEIN?

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Es begann ganz harmlos und stürzte mich doch in der Folge in tief greifende Unsicherheiten. Mein Handy gab den Geist auf. Das sollte mich doch vor keine großen Probleme stellen. Ab zum Anbieter meines Vertrauens, ein neues Handy kaufen, SIM-Karte rein, weiter geht es.

Denkste! Die neueste Betriebssystemversion ist nicht nur angeblich stabiler, nein, sie erfi ndet alles noch mal neu. Sachen stehen nicht am gewohnten Platz, es gibt Neues, das ich nicht vermisst habe. Ich muss sogar einen Anruf anders annehmen. Das alles mit dem sogenannten ‚Nachfolger‘ meines Handys. Die folgenden Tage waren eine Katastrophe.

Stattdessen könnten die Hersteller doch die Stabilität des Gehäuses, die Display-Reflexion oder Akkulaufzeit verbessern. Es erinnert mich ein wenig an die Entwicklung im Hi-Fi-Bereich vor circa 15 bis 20 Jahren. Irgendwann konnten die Geräte mehr, als ein normaler Verbraucher in seiner Wohnung wahrnehmen konnte. Da tauchten Grenzwerte und Dinge auf, von denen ich gar nicht wusste, dass mein Ohr darauf angewiesen ist. Ende vom Lied: Ich bleibe bei meinem alten Gerät. Innovation sieht für mich anders aus. Heute wird in meinen Augen derselbe Irrweg in anderen Branchen beschritten. Anstatt mit jedem Modellwechsel auch die Ärgernisse des täglichen Gebrauchs zu vermindern, wird ständig eine neue Baustelle aufgemacht und eher durch Zufall mal etwas an der Basis verbessert. Am Ende hat man zum Beispiel als Handy ein Funktionsmonster, bei dem ich 90 Prozent der Funktionen nicht brauche, aber in der Sonne kann ich immer noch nichts auf dem Bildschirm erkennen. Gaaanz toll!

Und damit ich mich so richtig aufrege, zwang mich ein ungerechter Gott, noch einen neuen Fernseher zu kaufen. Die kleinen Schildchen neben den Geräten vermittelten mir den Eindruck, ich kaufe gleich noch einen PC dazu. Dünner werden die Dinger auch, aber wo liegt der Vorteil von 3 cm weniger Tiefe? Dafür scheint es unabhängig vom Preis schwierig zu sein, vernünftige Boxen einzubauen. Der Großteil scheppert erbärmlich. Will ich ein Konzert sehen und hören, darf ich mich damit beschäftigen, wie das blöde Teil mit meiner Musikanlage zusammenarbeitet. Da werde ich dann komplett wahnsinnig. Ohne abgeschlossenes Ingenieurstudium, keine Chance. Mit einem vernünftigen Standardanschluss und intelligenten Assistenten, der mir beim Anschluss hilft, wäre ich glücklicher als mit PMR, CI+, Dolby 38.789 oder wie die Sachen lauten, die ich nicht vermisse.

Wenn ich mir so unseren Backofen ansehe, …

Achim Schroers