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Warum man mit Nüssen waschen kann

Kategorie(n): Gesund//Vital

Es klackert nicht. Ruhig dreht sich die Trommel, das Wasser zeigt nur wenig Schaum, hin und wieder zeigt sich an der Scheibe der Waschmaschinentür das kleine Säckchen, in dem sich die Waschnüsse befinden. Die meisten Allergiker machen um Nüsse einen großen Bogen: Das unangenehme Kribbeln im Rachenraum, Jucken, Hautausschläge und Atemnot machen sie immun gegen die Sirenengesänge duftender Erdnuss-Knabbereien, verführerischer Walnuss-Sahnetorte und herzhaftem Haselnussbrot. Aber diese Nuss überzeugt auch empfindliche Allergiker: Die Waschnuss ist nicht zum Verzehr geeignet, dafür aber für die Wäschepflege. Sogar Menschen mit Neurodermitis nutzen das Naturprodukt gerne.

In konventionellen Waschmitteln sind Duftstoffe, Bleichmittel und Chemikalien enthalten, die die Schaumbildung fördern, ein Verklumpen verhindern oder für eine ansprechende Färbung sorgen. Spuren davon bleiben in den Fasern der Wäsche haften und reizen die Haut. Besonders im Winter haben Neurodermitiker darunter zu leiden, wenn der Körper in langärmeligen Shirts und Blusen eingeschlossen ist.

Als Naturprodukt ist die Waschnuss frei von solchen Zusatzstoffen. „Ihre Waschwirkung gewinnt sie aus dem hohen Anteil von Saponin, das in der Schale enthalten ist“, sagt Beate Brungs, Markt-leiterin im SuperBioMarkt. Der Stoff ist in geringen Teilen auch in Lebensmitteln wie Sojabohnen, Kartoffeln, Tomaten oder Knoblauch zu finden. Weil er in der Schale der Nuss aber einen Anteil von 15 bis 30 Prozent ausmacht, ist diese für die Wäsche geeignet, die Kartoffel aber nicht. Dafür hat die Waschnuss auf dem Speiseplan nichts zu suchen.

Beheimatet ist sie in Indien und Nepal. Rund zehn Jahre wächst der Baum, der bis zu 25 Meter hoch werden und einen Stammumfang von drei bis fünf Metern erreichen kann, bis er zum ersten Mal Früchte trägt. Die Nüsse sind leuchtend gelb bis orange und haben eine klebrige Schale. Nach der Ernte im September werden sie getrocknet. Dabei verändern sie ihre Farbe in ein Rotbraun, ihre Klebrigkeit lässt nach.

Zum Waschen werden nur die Schalen verwendet. Je nach Härtegrad des Wassers reichen vier bis sieben Schalenhälften pro Waschgang. „Die Waschnüsse können ganz normal bei Temperaturen von 30 bis 95 Grad benutzt werden“, sagt Beate Brungs. Dabei können sie bei niedrigen Waschtemperaturen auch mehrmals verwendet werden, da das leicht seifige Saponin nicht ganz aus der Schale gespült wird. Verliert diese ihre Farbe oder wird ganz weich, kann sie in der Biotonne oder auf dem Komposthaufen entsorgt werden.

Wie andere Waschmittel stößt auch die Waschnuss in ihrer Reinigungskraft manchmal an ihre Grenzen. Rotweinflecken im Teppich oder auf der Lieblingsbluse sind eine Herausforderung, der auch härteste Waschmittel nicht gewachsen sind. Gute Ergebnisse zeigt in diesen Fällen die Gallseife, die ebenfalls von vielen Allergikern in der Regel gut vertragen wird.

Aber nicht nur für die Wäsche ist das Naturprodukt geeignet: Auch in der Haarpflege und beim Duschen hat es sich bewährt. Dafür muss ein Sud angesetzt werden: Waschnüsse im Wasser bei mindestens 60 Grad auskochen, dabei immer wieder umrühren. Mit unterschiedlichem Verhältnis von Wasser zu Schalen kann die Intensität gesteuert werden. Den Sud durch ein Tuch oder einen Filter geben, um Nussrückstände herauszunehmen und abfüllen.

Garnet Manecke